Stand: 11.07.2016 18:37 Uhr

Online-Shoppen: Viel zu viel Verpackungsmüll?

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Der Online-Handel boomt - und damit wächst auch der Verbrauch an Verpackungen.

Die Jeans doppelt in Plastikfolie verpackt, ein kleines Ersatzteil in einem Riesen-Karton, vergraben unter Styroporschnipseln. Jeder Deutsche produziert rechnerisch mehr als 200 Kilogramm Plastik- und Verpackungsmüll im Jahr, ein Großteil davon geht auf das Konto des Online-Handels. Im Jahr kommen so mehr als 17 Millionen Tonnen Verpackungsmüll zusammen.

Viele Versandhändler suchen mittlerweile nach schlanken und umweltfreundlichen Verpackungslösungen. So werden zum Beispiel Verpackungen dem Produkt angepasst und so gefaltet, dass keine weiteren Styropor-Füllungen notwendig sind. Lebensmittelhändler setzen zudem Mehrweg-Kisten ein.

Online oder im Laden kaufen - was schadet der Umwelt mehr?

Beim umweltfreundlichen Online-Versandhandel geht es aber nicht nur um die Folien, Kisten und Kartons. Zu einer Öko-Bilanz müssen auch der Retourenservice und die Emissionsbelastung durch Paketlieferdienste hinzugerechnet werden. Bei DHL, dem Paketdienst der Deutschen Post, hat man ausgerechnet: Im Durchschnitt werden bei der Auslieferung eines Pakets mit einem Transporter 500 Gramm CO2 verbraucht. Das ist weniger als eine durchschnittliche Einkaufsfahrt mit dem Pkw. Das heißt aber nicht, dass Online-Shoppen besser für die Umwelt ist. Denn oftmals müssen Paketzusteller die Kunden zum Beispiel mehrfach anfahren. Oder sie liefern die Sendung an eine Packstation, wo der Kunde dann extra noch einmal hinfährt - mit dem Auto.

Interview

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Retouren verhageln die Öko-Bilanz

T-Shirt zu klein? Kleid sieht doch nicht schick aus? Retourenforscher der Uni Bamberg haben ausgerechnet, dass im Fashion-Bereich jedes zweite Paket zurückgeschickt wird. Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland bis zu 290 Millionen Pakete wieder an den Händler zurück. Aneinandergereiht würden die Pakete fast dreimal die Erde umrunden. Retouren verhageln die Umweltbilanz erheblich. Wird der Wert (500 Gramm CO2 pro Paketzustellung) auf die Retouren übertragen, dann, so die Bamberger Forscher, verursachen die Rücksendungen im Jahr 143.000 Tonnen CO2-Ausstoß.

Allerdings sieht das Freiburger Öko-Institut noch Forschungsbedarf. Bevor man eine abschließende Bewertung zur Umweltbelasung durch Online-Shopping machen könne, müssten noch viele Fragen geklärt werden, etwa: Wie ist das Einkaufs- und Auswahlverhalten der Konsumenten? Oder: Wie viele Produkte kaufen sie im Durchschnitt ein?

Was Verbraucher tun können

Max Thinius vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland empfiehlt Verbrauchern, bei Versandhändlern - wenn möglich - eine umweltfreundliche Versandmethode wie etwa das CO2-neutrale Go Green von DHL zu wählen. Wenn es die Möglichkeit nicht gebe, sollte man den Händler per Mail oder Facebook darauf aufmerksam machen: "Je mehr Menschen das tun, desto mehr hat der Händler dann auch die Notwendigkeit, sich mit dem Thema umweltfreundlicher Versand, umweltfreundliche Verpackung auseinander zu setzen."

Weitere Tipps:

- Bewusster klicken; bei einigen Versandhändlern kann man zum Beispiel angeben, dass man auch gerne seine Ware im gebrauchten Karton nimmt.

- Sammelbestellungen aufgeben und sich nicht jedes einzelne Produkt separat schicken lassen.

- Retouren möglichst vermeiden, denn jedes Hin- und Herschicken der Pakete ist schlecht für die Öko-Bilanz im Onlinehandel.

Dieses Thema im Programm:

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