Stand: 29.09.2017 13:36 Uhr

Navigation früher und heute

Neben dem Kompass gehörte der Sextant zu den wichtigsten Instrumenten zur Positionsbestimmung eines Schiffes.

Den Weg in einer fremden Stadt zu finden, ist heute kein Problem mehr. Schließlich haben viele Autos und fast jedes Handy ein eingebautes Navigationsgerät. Doch wie war das früher, als die Menschen noch keine technischen Hilfsmittel hatten, die sie ans Ziel führten?

Fixpunkte an Land und am Himmel

Das Wort "navigare" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "das Steuern eines Schiffs". Schon die alten Ägypter, Phönizier und Sumerer stachen in See, um mit anderen Völkern Handel zu treiben und unbekannte Gebiete zu entdecken. Die Seefahrer der Antike orientierten sich an markanten Punkten an der Küste und beobachteten Wind und Windrichtung. Im Lauf der Zeit lernten sie, sich auf hoher See an Fixpunkten am Himmel zu orientieren, die man von überall sehen kann. Mit einem Lot maßen sie die Wassertiefe. Die Kunst des Navigierens wurde vor allem mündlich an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Verschiedene historische Hilfsmittel zur Navigation liegen ausgebreitet auf einer Weltkarte.

Navigation damals und heute

Mein Nachmittag -

Heutzutage hat fast jedes Handy ein eingebautes Navigationsgerät, doch wie war es früher? NDR Wissensexperte Tim Berendonk erklärt den Unterschied zwischen damals und heute.

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Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen

Bereits in der Antike gab es Segelanweisungen, die sogenannten Peripli, mit Angaben zu Entfernungen, Untiefen und gefährlichen Strömungen, die den griechischen Seefahrern den Weg wiesen. Aus diesen Seewegsbeschreibungen entstanden ab dem 13. Jahrhundert die ersten mittelalterlichen Portolane - die Vorläufer der heutigen Seekarten. Sie waren allerdings noch recht ungenau. Das änderte sich erst, als die Navigation auf Grundlage der Sternenkunde, Geografie und Kartografie zu einer Wissenschaft entwickelt wurde.

Kompass, Jakobsstab und Sextant

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Die Erfindung des Kompasses machte die Orientierung auf See leichter.

Nach und nach entwickelten die Seefahrer immer bessere Messinstrumente zur Orientierung. Chinesische Seefahrer waren die ersten, die mithilfe von Magnetnadeln navigierten. Die Magnetnadel schwamm zunächst in einer Wasserschale, später wurde die Nadel auf einen Stift aufgesetzt, sodass sie sich im Erdmagnetfeld nach Norden ausrichten konnte. Später kam die Magnetnadel ins Zentrum der Kompassrose, sodass eine Gradeinteilung möglich wurde. Mit dem Kompass konnte man die Fahrtrichtung des Schiffes oder die Position eines Ortes in Relation zur nördlichen Himmelsrichtung bestimmen. Der portugiesische Entdecker Vasco da Gama, der als erster den Seeweg nach Indien fand, hatte schon einen Magnetnadel-Kompass an Bord.

Bereits in der Antike waren zudem Berechnungsverfahren bekannt, mit denen der Winkelabstand zwischen Horizont und Sonne oder einem festen Himmelskörper wie dem Polarstern berechnet werden konnte. Mit dem Jakobsstab ließ sich der Winkelabstand auf einfache Weise darstellen. Er gehörte seit dem 15. Jahrhundert zur Standardausrüstung der Seefahrer und war ein Vorläufer des Sextanten, der nach einem ähnlichen Prinzip funktionierte. Mit einem Sextanten wird der Winkel zwischen Fixstern und Horizont gemessen. Neben dem Kompass gehörte der Sextant zu den wichtigsten Instrumenten zur Positionsbestimmung eines Schiffes. Auch wer heute zur See fährt, muss für den Fall, dass die Technik ausfällt, diese Hilfsmittel beherrschen, um den richtigen Weg zu finden.

Ältere schauen in die Karte, Jüngere meist nicht

Die heutigen Navigationsgeräte basieren auf digitalen Geoinformationen und einer Positionsbestimmung mittels GPS, dem satellitengesteuerten Global Positioning System. Während für Ältere diese Technik vor allem eine Lotsenfunktion hat und sie oft zusätzlich noch einen Blick in die Karte werfen, um sich zu orientieren, verlassen sich gerade junge Leute häufig komplett auf die Technik.

Vorsicht bei der Nutzung des Navigationsgeräts im Auto

Blindes Vertrauen in die technische Navigation kann allerdings negative Folgen haben. Denn zum Teil zeigen die Geräte Straßen an, die es gar nicht gibt oder die längst für den Autoverkehr gesperrt sind. Aber nicht nur blindes Vertrauen kann zu Irrwegen und auch Unfällen führen. Wer das Gerät während der Fahrt bedient, ist abgelenkt und damit unaufmerksam.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 29.09.2017 | 16:20 Uhr

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