Stand: 25.01.2016 20:24 Uhr

"Hasso - Danke für 16 treue Jahre"

von Johannes Groß
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Asche verstorbener Haustiere kann auch auf speziellen Feldern verstreut werden.

Grabsteine aus Marmor, Blumenbeete mit flackernden Kerzen: Grabreihe um Grabreihe erstreckt sich am Rande des Tangstedter Forsts bei Norderstedt. Auf den ersten Blick ist es ein ganz normaler Friedhof, nur die Inschriften der Grabmale machen stutzig: "Hasso - Danke für 16 treue Jahre". Jürgen Becker betreibt die Anlage. 300 Haustiere werden hier pro Jahr beerdigt. "Der größte Unterschied ist, dass wir keine Predigten halten", sagt Becker. Bestattungen kosten hier ab 50 Euro, dazu kommt eine jährliche Pacht.

"Er hat uns immer begrüßt"

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Kater Jackie wurde 19 Jahre alt; seine Besitzer ließen ihn einäschern.

Peter und Annelie Wiegmann haben sich für eine andere Variante entschieden. Die beiden sind immer noch traurig. Im Juni ist Kater Jackie gestorben, im stattlichen Alter von 19 Jahren. Siebzehn Jahre zuvor hatte das Ehepaar aus Lauenburg den Kater aus einer Auffangstation für Tiere mitgenommen. "Er war wie ein Kind für uns. Wir sind mit ihm sogar in Urlaub gefahren", erinnert sich Peter Wiegmann. "Und wenn wir nach der Arbeit nach Hause kamen, hat er uns immer begrüßt." Doch im letzten Sommer ging es Jackie immer schlechter. Er musste eingeschläfert werden. Die Wiegmanns bahrten ihn auf dem Stubentisch auf. Am gleichen Tag wurde Jackie abgeholt und in ein Krematorium gebracht.

Einäscherung im Tierkrematorium

So wie die Wiegmanns machen es inzwischen viele Haustierhalter. Svenja Wulfgramm arbeitet für die Hamburger Filiale der "Tierbestattung im Rosengarten" und zählt mehr als 100 Einäscherungen pro Monat. "Wir holen das Tier meist erst am nächsten Morgen ab, damit es noch eine Nacht zu Hause sein kann." Dann komme es in ein spezielles Tierkrematorium in Brandenburg. Wer möchte, kann dabei zusehen, wie die sterblichen Überreste seines Haustieres verbrannt werden. "Aus der Trauerarbeit halten wir uns dagegen raus", sagt Svenja Wulfgramm. "Wir spielen aber auf Wunsch spezielle Musik oder verbrennen bedeutsame Gegenstände mit dem Tier."

Gemeinsame Bestattung möglich

Die Asche kann danach entweder mit nach Hause genommen oder auf einem dafür eingerichteten Beet verstreut werden. Der Mindestpreis für Abholung und Einäscherung liegt bei 60 Euro. Zum Angebot gehören auch Seebestattungen auf der Ostsee und - nach einer gesetzlichen Neuregelung - die gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier. Das ist jedoch offiziell erst auf zwei Friedhöfen in Nordrhein-Westfalen erlaubt.

Bestattung auch im eigenen Garten möglich

Auch die Bestattung des Tieres im eigenen Garten ist eine Option. Das Grundstück muss dafür im eigenen Besitz sein und darf nicht im Wasserschutzgebiet liegen. Bei größeren Tieren wie Hunden sollte man zuvor mit dem Veterinäramt sprechen. Die Überreste müssen ein bis zwei Meter vom Wegesrand und mindestens 50 Zentimeter tief vergraben werden.

Trauerarbeit auch für Haustiere

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Madita van Hülsen und Anemone Zeim von "Vergiss mein nie" schaffen für ihre Kunden unter anderem zentrale Erinnerungsstücke.

Hat man als Tierhalter die Bestattung des Tieres hinter sich gebracht, ist die Trauer damit oft noch nicht vorbei. Das liegt auch an der veränderten Rolle, die Haustiere mittlerweile einnehmen. "Klassische Familienstrukturen lösen sich immer mehr auf. Haustiere ersetzen heutzutage Menschen", sagt Madita van Hülsen. "Deshalb ist es auch okay, lange um ein Tier zu trauern." Van Hülsen und ihre Kollegin Anemone Zeim haben jüngst ein Büro für Trauerkommunikation gegründet. Hier können sich Trauernde, ganz gleich ob sie einen Menschen oder ein Tier verloren haben, in ihrer Not melden und sich an gemeinsam Erlebtes erinnern. Der oft gehörte Satz "Es ist doch nur ein Tier" sei ungerecht, findet Anemone Zeim.

Erinnerungsstücke können helfen

Zusammen mit ihren Kunden versuchen die ausgebildeten Trauerbegleiterinnen, ein zentrales Erinnerungsstück zu schaffen. Bei Haustieren könne das etwa ein Spielzeug oder ein Fressnapf sein. Bei Peter und Annelie Wiegmann in Lauenburg hat die Urne mit Jackies Asche ihren festen Platz auf dem Kamin. Darauf steht eine Kerze, die die Wiegmanns jeden Tag aufs Neue anzünden. Und eines wissen sie schon jetzt: "Der letzte von uns beiden, der geht, nimmt Jackie mit ins Grab".