Stand: 28.02.2017 17:27 Uhr

Fastenzeit: Verzichten und verändern

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Zu Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch zeichnen Priester den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn.

Alkohol oder Fleisch, Auto oder Internet: Fasten ist vielfältig - und im Trend. 55 Prozent der Bundesbürger halten nach einer aktuellen Umfrage einen mehrwöchigen Verzicht für sinnvoll oder sehr sinnvoll. Besonders groß war die Zustimmung mit 65 Prozent in Bayern, deutlich geringer mit je 50 Prozent in Nord- und Ostdeutschland. Ganz oben auf der Liste des möglichen Verzichts stand Alkohol mit 68 Prozent vor Süßigkeiten (59 Prozent). Fleisch möchten nur 39 Prozent entbehren, jeweils ein Drittel das Fernsehen oder Zigaretten. Nur 23 Prozent der Befragten konnten sich vorstellen, ohne Internet auszukommen. Immerhin 59 Prozent der Teilnehmer der Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit sprachen aus Erfahrung. Sie hatten bereits mindestens einmal für mehrere Wochen gefastet.

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Hauptsache Verzicht

Der gemeinsame Nenner des Fastens liegt im Verzicht. 40 Tage ohne. Die Tradition des Fastens in der westlichen Welt geht auf die christliche Kirche zurück. Schon seit dem Jahr 400 sollen sich Christen mit Verzicht auf das Osterfest vorbereitet haben. Für Gläubige beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet am Ostersonnabend, also nach 46 Tagen. Allerdings werden die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen. So bleiben 40 Fastentage. Laut Bibel hat sich schon Jesus nach seiner Taufe in die Wüste zurückgezogen, ohne zu essen und zu trinken.

Auch Christen verzichten nur bedingt

So streng sieht selbst die katholische Kirche die Fastenzeit inzwischen nicht mehr. Das Bistum Osnabrück etwa hält bereits den Verzicht auf Süßigkeiten oder Fernsehen für einen angemessenen Weg. Traditionell sollen Katholiken in der Fastenzeit an Aschermittwoch sowie an allen Freitagen kein Fleisch essen. An Aschermittwoch und Karfreitag ist nur eine Hauptmahlzeit erlaubt. Wichtig sei ein spürbarer Verzicht, der bewusst erlebt werde. "Im besten Falle öffnen sich dann - durch das Weglassen von etwas - Räume für anderes: für eine intensivere Beschäftigung mit dem eigenen Leben und Glauben, beispielsweise", wie es auf der Website des Bistums heißt. Neue Erfahrungen mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr kann sammeln, wer sich der Aktion "Autofasten" einiger katholischer Bistümer und evangelischer Landeskirchen anschließt. Bereits zum 20. Mal rufen sie in diesem Jahr dazu auf, bis Ostern auf das eigene Auto zu verzichten.

Stichwort Aschermittwoch

Der Begriff bezieht sich auf das Kreuz aus Asche, das Priester Gläubigen an diesem Tag auf die Stirn zeichnen. Es soll die Menschen daran erinnern, dass sie vergänglich sind. Die Asche stammt von Palmzweigen und wird im Gottesdienst gesegnet. Aschermittwoch ist stets der 46. Tag vor Ostersonntag.

Neue Perspektiven suchen

Die evangelische Kirche fordert in der Fastenzeit "7 Wochen ohne" und stellt die traditionelle Aktion in diesem Jahr unter das Motto "Augenblick mal! Sieben Wochen ohne Sofort". Die Kirche spielt damit auf die Eile und Ungeduld in unserer Zeit an und möchte eine "Kur der Entschleunigung" anbieten. Die Protestanten betrachten es als wichtiger, etwas zu verändern, als zu verzichten. Ziel sei es, die Routine des Alltags zu hinterfragen - "eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben", heißt es auf der Website der Fastenaktion der evangelischen Kirche.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland setzt mit ihrer Aktion "7 Wochen mit" auf regionale Produkte und Erzeugnisse aus Fairem Handel. Hier geht es darum, Konsumgewohnheiten zu hinterfragen und zu verändern. Fasten mit Smartphone probiert die evangelische Gemeinde Obernkirchen im Schaumburger Land. Teilnehmer erhalten über einen Messenger-Dienst täglich einen Text, ein Bild oder Musik als "Impuls".

Fasten als Wohltat für den Körper?

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Wer heilfastet, muss viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Neben Wasser darf das auch Brühe sein.

Viele Menschen verbinden Fasten jedoch in erster Linie mit dem Verzicht auf Nahrung, dem sogenannten Heilfasten. Nach einem exakten Plan, am besten unter ärztlicher Kontrolle, meidet man dabei feste Lebensmittel und ernährt sich für Tage oder Wochen nur von Flüssigkeiten wie Wasser, Säften oder Brühe. Dutzende Ratgeber empfehlen diese Askese als wohltuend für Geist und Körper - und als wirkungsvolle Diät. Kritiker warnen jedoch vor gesundheitlichen Risiken, besonders für Menschen, die bereits von Krankheiten geschwächt sind.

Religiöses Fasten

Weltweit kennen viele Religionen das Fasten als Zeremonie, die zu Reinheit und Erleuchtung führen soll. So verzichten gläubige Moslems im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders, für 30 Tage auf alle Genüsse. Essen und Trinken sind erst nach Sonnenuntergang erlaubt. Die Fastenzeit endet mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens.

Im Hinduismus existieren zahlreiche Fastenregeln. Viele Gläubige nehmen an Vollmond- und Neumondtagen keine Nahrung zu sich. Im Judentum gilt Jom Kippur, der Versöhnungstag zwischen Gott und den Menschen, als strengster Fastentag, an dem weder Essen noch Trinken gestattet sind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wissen+ | 01.03.2017 | 10:55 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/ratgeber/Fasten-zwischen-Gesundheit-und-Glaube,fasten211.html

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