Stand: 13.09.2017 16:27 Uhr

Der Rothirsch: König der norddeutschen Wälder

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Im Duvenstedter Brook bei Hamburg können Interessierte ab September die Brunft der Rothirsche erleben.

Rothirsche gehören zu den größten heimischen Wildtieren. Jeder kennt den imposanten Anblick des bis zu 1,50 Meter großen Tieres mit dem verzweigten Geweih. Doch nicht wenige denken, dass die Frau des Hirschs das Reh ist. Schuld daran ist der Film "Bambi" von Walt Disney. Denn das kleine Weißwedelhirschkalb wurde in der deutschen Synchronisation zum Rehkitz, während der Vater ein amerikanischer Weißwedelhirsch blieb - eine verwirrende Konstellation.

Zwar gehören sowohl Reh als auch Rothirsch zur Familie der Hirsche - doch damit endet die Verwandtschaft. Als Vertreter der zoologischen Unterfamilie der Trughirsche ist das Reh näher mit Ren, Elch und dem Weißwedelhirsch verwandt. Neben Reh und Rothirsch sind in Norddeutschland zwei weitere Hirscharten heimisch: der Damhirsch und der Sikahirsch.

Heimische Hirscharten Norddeutschlands

Rothirsche in Norddeutschland

Außer im hohen Norden ist das Rotwild in ganz Europa verbreitet. In Deutschland kommt es vor allem in den Mittelgebirgen, in den Alpen sowie im Alpenvorland vor. 200.000 Tiere sollen es Schätzungen zufolge bundesweit sein. Nennenswerte Bestände im Norden gibt es im Harz, im Duvenstedter Brook in Hamburg, im Weserbergland, in der Lüneburger Heide, im Müritz Nationalpark und im Naturpark Mecklenburgische Schweiz.

Vom Kalb zum Zwölfender

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Das Hirschkalb kann schon wenige Stunden nach seiner Geburt stehen und seiner Mutter langsam folgen.

Der Name Rotwild geht auf das rötlich-braune Sommerfell zurück, das sich in den Wintermonaten grau-braun verfärbt. Allein die Männchen tragen ein Geweih, das sie jedes Jahr im Frühjahr abwerfen. Mit jedem Jahr wird das Geweih größer und verzweigter. Hat eine Geweihseite drei Enden, spricht man von einem Sechsender, bei sechs Enden von einem Zwölfender und so weiter. Die Weibchen, auch Hirschkühe oder Kahlwild genannt, bringen im Frühjahr ein, selten zwei Kälber zur Welt.

Geschlechtertrennung - außer in der Brunft

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Der Aufstieg zum Platzhirsch erfordert viel Kraft, denn zunächst einmal muss die Konkurrenz ausgeschaltet werden.

Im Gegensatz zum kleineren Reh leben Rothirsche in Rudeln. Diese sind nach Geschlechtern getrennt. Sogenannte Kahlwildrudel bestehen aus Hirschkühen mit ihren Kälbern. Die Hirsche bilden eigene Rudel. Ältere Hirsche sind bevorzugt als Alleingänger oder mit einem jüngeren Beihirsch unterwegs. Anders in der Brunftzeit: Ab Anfang September gesellen sich die Hirsche zu den Rudeln der Hirschkühe. Spektakulär sind die Kämpfe der Hirsche, die nicht selten mit Verletzungen oder gar mit dem Tod eines Tieres enden. Der Platzhirsch paart sich mit den Kühen "seines" Rudels.

Rothirschbrunft in Norddeutschland

Ein Höhepunkt für viele Naturliebhaber ist die Brunftzeit der Rothirsche, die in Norddeutschland ab Anfang September beginnt und etwa fünf Wochen dauert. Hier finden Sie einen Überblick über die Brunftplätze in Mitteleuropa. Im Harz lädt die Nationalpark-Verwaltung täglich bis 25. September zu knapp dreistündigen Wanderungen ab Sonnenberg ein. Geführte Exkursionen zu den Brunftplätzen im Duvenstedter Brook in Hamburg bietet der NABU an.

Rotwild und Holzwirtschaft

Rotwild und Forstbetriebe kommen sich immer wieder in die Quere. Ursprünglich lebten Rothirsche in offenen Landschaften, wo sie weite Wanderungen zwischen Sommer- und Wintergebieten unternahmen. Straßen, dichte Besiedlung und weitere Baumaßnahmen des Menschen zerschneiden und blockieren die Aufenthaltsorte und Wanderrouten der Hirsche. Deshalb ziehen sie sich heute vor allem in große Waldgebiete zurück. Aufgrund mangelnden Platzes müssen sich die Hirsche in einem relativ kleinen Gebiet aufhalten und Nahrung finden - und richten dadurch einen größeren Schaden an den Bäumen an.

Neue und alte Feinde

Bis vor einigen Jahren hatten die Hirsche in Deutschland keine natürlichen Feinde. Das hat sich mit der Rückkehr von Wolf und Luchs geändert. Allerdings gibt es noch keine Daten, inwiefern dies den Bestand beeinflusst. Verdichtung, intensive Landwirtschaft sowie der Straßenverkehr stellen nach wie vor die größte Bedrohung für Reh, Rothirsch, Damwild und Sikahirsch dar.

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