Stand: 13.07.2016 06:00 Uhr

Coffee-to-go-Becher: Müll im Sekundentakt

von Michael Latz
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Nach nur 15 Minuten ist ein Einwegbecher reif für den Müll.

Er ist unheimlich praktisch: der Pappbecher für den Latte macchiato unterwegs. Er ist leicht, kann nicht zerbrechen, mit dem passenden Kunststoffdeckel schwappt nichts über, und wenn er leer ist, kommt er in den Müll. Das Problem ist nur, dass das viel zu oft passiert. Die Deutsche Umwelthilfe hat ausgerechnet, dass bei uns jedes Jahr mehr als 2,8 Milliarden Einwegbecher im Müll landen. Eine kaum vorstellbare Menge.

Energie, Wasser und Holz für die Tonne

Kaum vorstellbar ist auch die Menge an Energie, die nötig ist, um die Wegwerf-Becher zu produzieren. Das ist so viel Strom, dass eine Stadt wie Schwerin laut Deutscher Umwelthilfe ein Jahr lang damit auskäme. Außerdem braucht man 43.000 Bäume für das Papier. Und das nötige Wasser - rund 1,5 Milliarden Liter - würde für eine mittlere Kleinstadt ein Jahr lang reichen. In diesen Zahlen ist die Herstellung der Kunststoffdeckel, der Rührstäbchen und der Pappmanschetten gegen heiße Finger noch nicht enthalten.

All das werfen wir Stück für Stück in den Müll - und zwar im Schnitt schon nach einer Viertelstunde. Länger werden Coffee-to-go-Becher kaum benutzt. Natürlich, Papier lässt sich recyceln - nicht aber die Pappbecher, weil sie von innen mit Kunststoff beschichtet sind. Und weil der Kaffee eben unterwegs getrunken wird, landen die Becher auch selten in der Wertstofftonne.

Mit Mehrwegbechern Geld sparen

Viele Bäckereien und auch die Branchenriesen Starbucks, Balzac oder Tchibo haben nichts dagegen, dass Kunden ihre Mehrwegbecher von daheim mitbringen. Im Gegenteil - sie  machen die Becher sogar noch sauber, wenn man es zu Hause nicht mehr geschafft hat. Obendrein gibt es bei Starbucks 30 Cent Rabatt für Kunden mit Mehrwegbechern, bei Balzac sind es 25 Cent. Wer also unbedingt einen Einwegbecher haben möchte, zahlt drauf.

Obwohl der überwiegende Teil der To-go-Trinker seinen Kaffee nach wie vor im Wegwerfbecher genießt, scheint bei den Kaffeeketten das Problembewusstsein zu wachsen. Tchibo zum Beispiel will prüfen, wie ein Pfandsystem für Kaffeebecher aussehen könnte - ein Modell, das auch die Deutsche Umwelthilfe fordert: ein Becher für alle To-Go-Anbieter, ähnlich wie die Pfandflaschen bei Mineralwasser oder Bier. Noch ist das aber Zukunftsmusik.

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Drastischere Vorschläge gegen die Becherflut kommen aus den USA: In New York sind nach einem Verbot die Wegwerfbecher aus Polystyrol verschwunden und der Mehrwegbecher gehört unterwegs zur Standard-Ausrüstung. San Francisco geht nun den gleichen Weg und verbannt Einwegverpackungen aus Polystyrol ab 2017 aus der Stadt.

P.S.
Während Sie diesen Text gelesen haben, sind in Deutschland wieder mehr als 15.000 Einwegbecher im Müll gelandet.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 13.07.2016 | 06:38 Uhr

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