Stand: 02.12.2016 11:13 Uhr  | Archiv

Kerzen selbst herstellen

von Ulla Brauer
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Wickelkerzen aus Bienenwachs sind einfach herzustellen und duften angenehm.

Kerzen lassen sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise herstellen: durch Ziehen, beziehungsweise Tauchen, Gießen, Wickeln und sogar Pressen. Die zuletzt genannte Variante wird allerdings nur für industrielle hergestellte Kerzen verwendet. Zum Wickeln gibt es verschieden große Platten aus angenehm duftenden Bienenwachs mit einer wabenförmigen Oberfläche zu kaufen. Diese werden häufig schon als Set zusammen mit dem Docht angeboten. Das Wachs wird auf der Heizung oder mit einem Föhn leicht erwärmt und geschmeidig gemacht. Die rechteckige Platten mit der schmalen Seite nach unten hinlegen und den zwei Zentimeter überstehenden Docht auf den unteren Rand legen. Anschließend das Wachs unter leichtem Drücken aufrollen.

Vorbereitungen und Arbeitsmaterial

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Kerzenlicht schafft nicht nur eine gemütliche Atmosphäre, selbst gemachte, individuell gestaltete Kerzen sind auch ein schönes Geschenk.

Hauptwerkstoffe für Kerzen sind neben Bienenwachs Paraffin und Stearin. Paraffin wird aus Erdöl hergestellt, Stearin aus nachwachsenden Rohstoffen wie Rindertalg, Palm- oder Kokosfett. Kerzen aus Stearin rußen weniger und sind weniger schadstoffbelastet. In Läden für Bastelzubehör oder auch im Internet lassen sich Portionen mit Wachsgranulat sowohl aus Paraffin als auch aus Stearin beziehen. Für selbst gemachte Kerzen benötigt man außerdem Docht und Wachs-Farbpigmente zum Färben. Einige Anbieter haben außerdem Bienenwachs-Pastillen im Angebot. So lassen sich Bienenwachskerzen auch durch Gießen und Tauchen herstellen.

Arbeitsplatz für die eigene Kerzenherstellung ist die Küche, deren Arbeitsflächen mit alten Zeitungen gut abgedeckt werden sollten. Heißes Wachs nie unbeaufsichtigt lassen, vor allem, wenn Kinder im Haushalt leben. Jegliche Wachssorten werden in einem Wasserbad, am besten in einer gut gespülten Konservendose, zum Schmelzen gebracht. Ideale Arbeitstemperatur für die Verarbeitung: 80 Grad. Um das Schmelzgefäß anfassen zu können, sollten alte Topflappen bereitliegen. Auch Holzwäscheklammern eignen sich dafür. Wer weißes Wachsgranulat färben möchte, kann entweder Bruchwachs alter Kerzen verwenden oder wächserne Stäbchen oder Pastillen kaufen, die Farbpigmente in konzentrierter Form enthalten. Um die Farbe gleichmäßig im Wachs zu verteilen, empfiehlt es sich, einen Rührstab aus Metall oder Holz zu verwenden, der in der Küche nicht mehr gebraucht wird.

Kerzen ziehen ist nicht schwierig

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Mit dem Tauchverfahren kann man auch mehrere Kerzen gleichzeitig herstellen.

Wer Kerzen durch Ziehen herstellen will, sollte zum Beispiel eine Würstchendose verwenden, da diese höher ist als eine normale Suppenkonserve. Bei der Verwendung des Dochtes darauf achten, dass er gute fünf Zentimeter länger ist, als die Kerze hoch werden soll. Zum besseren Festhalten während der Tauchgänge lässt sich dann der überstehende Docht gut zu einer Schlaufe oder an ein Holzstäbchen knoten. Beim ersten Tunken sollte sich der Docht mit dem Wachs vollsaugen, bevor er wieder heraus- und gerade gezogen wird. Abkühlen lassen und für den nächsten, etwa eine Sekunde dauernden Tauchgang eintunken. Die neue Schicht bis auf Körpertemperatur abkühlen lassen und den Vorgang wiederholen, bis die Kerze den gewünschten Durchmesser erreicht hat. Für einen ökonomischeren Arbeitsablauf lohnt es sich, mehrere Kerzen gleichzeitig in Bearbeitung zu haben, die nacheinander in das Wachsbad getunkt werden und zwischendrin, an einem Gestell aufgehängt, gut abkühlen können. Zum Schluss den Docht auf etwa einen Zentimeter herunterschneiden.

Gussverfahren erlaubt mehr Kreativität

Sehr viel mehr kreative Freiheit in der Gestaltung bietet das Gießen von Kerzen. Als Gussformen lassen sich neben vorgefertigen Formen auch sauber ausgewaschene Joghurtbecher, Tetra-Packs, Glasflaschen oder Pappgefäße verwenden. Dafür in den Boden des Gefäßes ein Loch bohren, den Docht hindurchführen und in das Ende einen Knoten machen. Anschließend sollte er möglichst straff gespannt und an einem quer über der Öffnung liegenden Stab befestigt werden. Das Loch im Boden kann zusätzlich mit etwas Knetwachs oder Gewebeband verschlossen werden. Tipp: Je breiter die Form, desto dicker sollte auch der Docht sein.

Das Gießen ermöglicht nicht nur die Verwendung ganz unterschiedlicher Formen, sondern auch die Gestaltung mit verschiedenfarbigen Wachsen, die Schicht für Schicht aufeinander gegossen werden. Sollen die Farbstreifen exakte Ringel ergeben, müssen die einzelnen Schichten sehr hart geworden sein, bevor wieder heißes Wachs daraufgegossen werden kann. Erfahrungsgemäß bildet sich nach der letzten Schicht eine ringförmige Delle rund um den Docht. Hier sinkt das Wachs ein. Daher ist es ratsam, noch etwas Wachs aufzubewahren, mit dem die Vertiefung aufgefüllt werden kann. Bis die Kerze völlig ausgehärtet ist, können bis zu zehn Stunden vergehen. Vorsicht beim Zerschlagen von Glasformen, die eine enge Öffnung haben. Am besten in alte Zeitungen legen und vorsichtig mit einem leichten Hammer zerschlagen. Anschließend abspülen, damit keine Splitter an der Kerze zurückbleiben. Kerzen, die in geraden Glasgefäßen gegossen wurden, lassen sich daraus entfernen, wenn das Glas für gute zehn Minuten in den Kühlschrank oder das Tiefkühlfach gestellt wird.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | Nordmagazin | 01.12.2016 | 19.30 Uhr

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