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An eine Karriere als Leistungssportlerin hat Aika Klein nie im Leben gedacht. Sie hat auch nie von Olympia geträumt. Sie wollte nur mal wissen, wie es sich anfühlt, auf blanken Kufen über das Eis zu flitzen. Sie war 13 Jahre alt als sie bei einem Shorttrack-Wettkampf in der Rostocker Eishalle buchstäblich Feuer fing. Sie wollte unbedingt mittrainieren und so schnell sein, wie die Athleten, die sie dort bestaunte. Es dauerte nur fünf Jahre, da war Aika so schnell geworden, dass sie zum ersten Mal bei Olympischen Spielen starten durfte. 2002 in Salt Lake City. Die olympischen Spiele in Vancouver sind also bereits ihre dritten.
Über ihre Karriere und ihre ganz persönlichen Ziele spricht die 1982 geborene Rostockerin im Interview mit NDR Reporterin Katrin Kahlke.
Julia Riedel, Christin Priebst, Susanne Rudolph, Bianca Walter und Aika Klein (v.l.n.r.) jubeln nach dem EM-Titel im Shorttrack.
NDR: Aika, Du hast Anfang des Jahres den größten Erfolg in Deiner Karriere gefeiert und die Goldmedaille mit der Staffel bei den Europameisterschaften in Dresden gewonnen. War das "genauso geplant" oder kam es völlig überraschend?
Aika Klein: Wir haben schon ein wenig damit geliebäugelt. Wir haben insgeheim gewusst, dass wir es schaffen können - vom Leistungsvermögen. Aber wir haben auch zuvor gedacht, wir könnten uns für Vancouver qualifizieren und das hat dann doch nicht funktioniert. Bei der EM waren wir einfach besser als die anderen Staffeln, die in Vancouver starten werden und konnten sie im direkten Vergleich schlagen. Das war ein gutes Gefühl. So ist Shorttrack und so ist der Sport. Man kann nicht immer dabei sein und gewinnen.
NDR: Auch wenn Ihr in Vancouver nicht in der Staffel startet - über den EM-Titel habt Ihr Euch trotzdem riesig gefreut?
A.K.: Ja klar. Das war natürlich super. Es war auch ein Traum von mir, endlich eine Goldmedaille zu gewinnen, mal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und die Hymne zu hören und das auch noch in Deutschland. Das ist sehr bewegend. Dieses Gefühl nehme ich auch mit nach Vancouver und ich hoffe, dass es mir dort einen gewissen Aufschwung gibt.
NDR: Das sind jetzt Deine dritten Olympischen Spiele - was hast Du Dir vorgenommen?
A.K.: Ich gehe über alle drei Strecken an den Start und mein Ziel ist natürlich, so weit wie möglich nach vorne zu kommen. Aber das in konkreten Platzierungen auszudrücken ist in unserer Sportart schwer. Man hat das jetzt bei den Europameisterschaften hier in Dresden gesehen. Ich hatte eigentlich eine gute Form aber es ist einfach ein Sturz dazwischen gekommen oder mal eine unglückliche Auslosung. Deshalb ist es ganz schwer, eine Platzierung festzulegen, aber - eine Halbfinal-Teilnahme bei Olympia - das wäre schon schön über 1.500 Meter.
Damit Aika Klein in Vancouver ganz vorn mitläuft, ist eine gesunde Sportlermahlzeit wichtig. Dazu müssen Gemüse und mageres Fleisch vorbereitet werden.
NDR: Wie sieht denn die Vorbereitung unmittelbar vor dem Wettkampf aus? Worauf achtest Du da besonders?
A.K.: Neben einer guten Ernährung und ausreichend Schlaf ist das wichtigste natürlich, dass man gut vorbereitet ist und weiß, dass man gut in Form ist. Für mich ist es wichtig, mich bereits vor dem Wettkampftag mit dem Lauf auseinanderzusetzen. Man kennt seine Gegner und auch seine Laufaufstellung. Wichtig ist vor allem, dass die Psyche mitspielt - sonst macht man taktische Fehler und man fängt an zu zweifeln. Man muss den anderen Athleten selbstbewusst gegenübertreten - das beeinflusst die wiederum. Ich weiß, was ich kann.
In Turin habe ich auch anfangs gedacht, ich kann da mitlaufen und dann bin ich gestürzt und wurde auf einer anderen Strecke disqualifiziert und es ist alles überhaupt nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgenommen hatte. Ich hoffe, dass es diesmal besser wird weil es auch meine letzten Spiele sein sollen. Es wär einfach schade, wenn es so ein Abschluss wird wie in Turin.
NDR: Viele kennen Deine Sportart "Shorttrack" ja gar nicht. In Kanada hingegen ist sie so beliebt wie bei uns etwa Biathlon. Was macht für Dich den Reiz, das Faszinierende am Shorttrack aus?
A.K.: Wir laufen Mann gegen Mann, Frau gegen Frau. Wir erreichen enorme Geschwindigkeiten und bestechen durch atemberaubende Überholmanöver. Taktik spielt eine große Rolle. Es ist einfach super anzusehen, das Zusammenspiel von Kraft und Ästhetik. Teilweise sehen die Sportler so aus, als würden sie über das Eis schweben. Das ist schon toll und das macht den Reiz der Sportart aus.
NDR: Vor zwei Jahren hättest Du die Schlittschuhe beinah an den Nagel gehängt, als Du krank wurdest. Was war für Dich ausschlaggebend zu sagen, ich mache weiter bis zu den Olympischen Spielen in Vancouver?
A.K.: Éric (Bédard, Bundestrainer, Anm. d. Red.) hat mich zurück zum Shorttrack geholt. Er hat mich davon überzeugt, mit ihm das große Ziel Vancouver zu erreichen, trotz krankheitsbedingter Formschwäche und eines mehrmonatigen (trainingsfreien) Auslandsaufenthalts. Er hat mich mit seiner Leidenschaft und seinem Engagement angesteckt und das Feuer für den Sport wieder zum lodern gebracht.
NDR: Wer Dich privat kennt weiß, Du bist eher ein ruhiger, sehr ausgeglichener Mensch und auf dem Eis das Gegenteil: ein angriffslustiger, draufgängerischer Kämpfertyp. Erklär das doch mal.
Aika Klein mit ihrer Katze Raudi - ein Herz und eine Seele.
A.K.: Das stimmt schon. In meiner Freizeit und in meinem Privatleben lasse ich es in der Regel etwas ruhiger angehen, auch wenn ich gern unter Leute gehe. Aber ich glaube, das ist ein ganz guter Ausgleich, weil der ganze Tag von Trubel und von Schnelligkeit und Geschwindigkeit geprägt ist. Da ist es wichtig, auch mal einen Gang zurückzuschalten und seine Gedanken zu sammeln. Ich denke, dass das der Gegenpol zu der Sportlerin Aika ist.
NDR: Welchen Stellenwert hat der Sport in Deinem Leben?
A.K.: Momentan natürlich einen sehr großen. Er nimmt den größten Teil meines täglichen Lebens ein. Aber nebenbei habe ich auch noch ein privates Leben. Ich studiere, lerne Koreanisch und versuche auch noch, meine Familie und Freunde unter einen Hut zu bringen. Aber der Sport ist momentan schon der Hauptpunkt.
NDR: Worauf freust Du dich am meisten, wenn Du nach Vancouver fliegst?
A.K.: Auf das Olympische Dorf, auf die anderen Sportler, die anderen Nationen. Ich freue mich, einfach die Leute kennenzulernen, mit ihnen zusammen im olympischen Dorf essen zu gehen und sich auszutauschen. Das macht den Reiz aus. Und natürlich freue ich mich auch, vor ausverkaufter Kulisse meine Wettkämpfe zu bestreiten.
NDR: Wie bist Du eigentlich zum Shorttrack gekommen?
A.K.: Das war zufällig. Ich hatte einen Wettkampf in Rostock gesehen, zusammen mit einer Freundin. Wir haben es dann zusammen ausprobiert. Aber ich war jetzt keine Vorzeige-Athletin, die schon in ganz jungen Jahren wusste, dass sie zu Olympischen Spielen will und eine Leistungssportkarriere anstrebt. Ich bin mit 13 eingestiegen und das ist im Shorttrack schon sehr spät. Mit 18 Jahren habe ich mich dann bereits für die Olympischen Spiele (in Salt Lake City, Anm. d. Red.) qualifiziert. Aber zu diesem Zeitpunkt habe ich nie geglaubt, dass ich das mal professionell machen würde oder dass das mal Mittelpunkt meines Lebens wird. Dann aber habe ich mich dafür entschieden und da ist es dann auch ernsthafter geworden. Vorher war Sport immer Nebensache. Es hat mir einfach nur Spaß gemacht. Und dann kamen die Erfolge.
NDR: Stimmt es, dass Deine Oma dein größter Fan ist?
A.K.: Meine Oma ist ganz großer Sportfan und ist ganz stolz, dass ich bei Olympischen Spielen dabei sein kann. Aber auch meine Eltern und meine Geschwister spielen eine große Rolle. Früher bin ich nach der Schule immer zu meiner Oma gegangen. Sie wohnt in der Nähe der Rostocker Eishalle und hat mir dann immer lecker Mittagessen gekocht. Sie ist schon sehr früh immer dabei gewesen.
NDR: Hast Du dich schon mal verletzt?
A.K.: Ich hatte schon mal einen mehrfachen Bänderriss und einen Bruch, aber nichts Schlimmes. Das ist nach ein paar Wochen Ruhezeit verheilt.
Dick eingepackt: Aika Klein beim Einkaufsbummel in Dresden.
NDR: Seit 2004 lebst Du in Dresden, bist aber noch in Rostock im Verein. Ganz nach Dresden zu wechseln - käme das für Dich in Frage?
A.K.: Nein. Ich bin in Rostock groß geworden und habe meine sportlichen Anfänge erlebt. Ich habe dort eine große Unterstützung erfahren. Da ist es für mich selbstverständlich, dass ich jetzt - wo ich im Nationalteam bin und an Olympischen Spielen teilnehmen darf - Rostock einfach die Treue halte. Zudem ist es auch eine schöne Auszeichnung, als einzige Mecklenburgerin in Vancouver an den Start gehen zu dürfen. Mecklenburg glänzt ja nicht unbedingt durch Wintersport. Mir wurde in Rostock immer der Rücken gestärkt vom Land, vom Verein und somit gab es für mich nie einen Grund, den Verein zu wechseln, auch wenn es Anfragen gab.
NDR: Hast Du einen Lieblingsplatz in Mecklenburg-Vorpommern?
A.K.: Das Meer. Dabei habe ich dort früher gar nicht so viel Zeit verbracht. Im Sommer ist es ja auch ziemlich voll. Daher bin ich in der Vorsaison gern in Warnemünde. Das Möwengeschrei, das Meerrauschen, frische Fischbrötchen, 'ne steife Brise, Ruhe… das genieße ich. Ansonsten bin ich natürlich bei meiner Familie und den ganzen Tieren zu Hause, dort kann ich Seele und Beine baumeln lassen.
NDR: Wie geht es nach Vancouver weiter?
A.K.: Ich habe direkt nach den Spielen meine letzte Prüfung für die Uni. Mitte März sind dann die Weltmeisterschaften (in Sofia) und danach wird sich zeigen, was sich noch für Perspektiven ergeben. Es ist einiges geplant. Das Studium abzuschließen, ein Praktikum (bei Telekom in Berlin) aber man wird auch sehen, wenn jetzt was ganz Tolles passiert in Vancouver, dann werd ich bestimmt drüber nachdenken, ob es sich lohnt, noch ein Jahr dranzuhängen.