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Süßer Genuss ohne Reue mit Stevia?

In fast jedem Lebensmittel ist Zucker enthalten. Neben dem süßen Genuss lauern Kalorien und Karies beim Naschen. Die Pflanze "Stevia rebaudiana" soll eine gesunde Alternative sein. Aus deren Blättern wird ein natürlicher Süßstoff gewonnen. Die Pflanze, auch Honigkraut genannt, kommt aus den Subtropen, wächst vorwiegend in Paraguay und darf inzwischen auch in der Europäischen Union offiziell in Lebensmitteln verarbeitet werden.

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Eine Stevia-Pflanze © picture-alliance / OKAPIA KG, Germany
 

Konkurrenz für den herkömmlichen Zucker

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Die EU hat die Süßstoff-Pflanze Stevia zugelassen. Sie verspricht kaum Kalorien und keine Karies mehr. mehr

Wundermittel oder schädlicher Zusatzstoff?

Vor kurzem hat die EU diesen Zuckerersatz für den europäischen Markt freigegeben. Stevia ist bis zu 30 mal süßer als normaler Zucker und konzentriert sogar bis zu 300 mal. Trotz der hohen Süße hat dieser "Wunderzucker" fast keine Kalorien und er soll sogar Bluthochdruck senken.

Gisela Anderson arbeitet bei der Neuen Verbraucherzentrale in Schwerin. Als Ernährungsberaterin kennt sie sich mit dem neuen Zuckerersatzstoff aus.

NDR: Frau Anderson, ist Stevia der Wunderzucker?

Anderson: Es ist zugelassen als Süßstoff und wird durch einen industriellen Prozess aus der Pflanze gewonnen - insofern kann man eigentlich nicht mehr von einem natürlichen Stoff sprechen. Es wurden Behauptungen aufgestellt, dass es blutdrucksenkend wirkt und gegen Diabetes wirkt. Diese Behauptungen sind wissenschaftlich nicht zu halten.

NDR: Es wurden aber auch keine negativen Eigenschaften gefunden. Ist Stevia denn gesünder als Zucker?

Eine Dose mit dem Zuckerersatz Stevia © NDR Fotograf: Janine Rudoplh Detailansicht des Bildes Diese kleine Dose mit Steviapulver soll mehrere Kilogramm Zucker ersetzen. Anderson: Man kann eigentlich nicht sagen, es ist gesünder als Zucker. Es bringt Vorteile für energiereduzierte Nahrungsmittel, also keine Kalorien. Der Mensch kann es nicht verdauen und es liefert auch den Bakterien keine Grundlage um die Zähne zu schädigen: Es fördert nicht die Karies.

NDR: Wie wird Stevia im Haushalt verwendet?

Anderson: Es ist als Tafelsüße, flüssig, als Pulver oder Tablette im Handel erhältlich. Man kann es auch zum Kochen und Backen einsetzen, denn es ist hitzestabil. Allerdings ist es ein Süßstoff, der etwa 300 mal süßer ist als der Haushaltszucker. Man braucht also nur sehr kleine Mengen und beim Backen würde das eigentliche Zuckervolumen fehlen. Es wird auch beschrieben, dass bei manchen Kuchen die Konsistenz darunter leidet. Wir raten eher dazu, nicht so viel Zucker durch Süßstoff zu ersetzen, sondern: Versuchen Sie sich weniger süß zu ernähren!

NDR: Für welche Lebensmittel ist der Süßstoff zugelassen?

Anderson: Dieser Zusatzstoff ist bisher für 31 Lebensmittelkategorien zugelassen - immer mit speziellen Höchstmengen. Zum Beispiel wird Stevia in alkoholfreien Erfrischungsgetränken, Fruchtnektaren, Speiseeis und auch in Dessertspeisen, Suppen, Soßen und Diätlebensmittel verwendet. Konfitüre, Gelees, Marmeladen kommen noch dazu und in bestimmten Brotaufstrichen wird der Brennwert durch Stevia vermindert.

NDR: Wie kann ich erkennen, welche Lebensmittel Stevia enthalten?

Anderson: Dieser Süßstoff ist ein richtiger Zusatzstoff und muss in der Zutatenliste stehen: Entweder steht auf der Verpackung E 960, denn das Pulver hat wie alle Zusatzstoffe eine Nummer bekommen. Es kann aber auch sein, dass dort "Zusatzstoff Steviolglykosid" steht. Zum Beispiel steht auf Konfitüren dann "light" oder "energiereduziert". Wenn man solche Begriffe entdeckt, kann man in die Zutatenliste schauen und findet dann eben diesen Zusatzstoff E 960 oder Zusatzstoff "Steviolglykosid".

NDR: Gibt es Nebenwirkungen oder Gefahren beim Verzehr?

Anderson: Dieser Süßstoff wurde durch die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit toxikologisch getestet und bewertet. Die Untersuchungen haben ergeben, dass er nicht erbgutschädigend und nicht krebserregend ist. Er hat keine Auswirkung auf die Fortpflanzungsorgane und auch nicht auf ungeborene Kinder. Allerdings wurden eben Höchstmengen festgelegt - eine sogenannte duldbare Menge, die man täglich aufnehmen sollte - und da wurde festgelegt, dass vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht unbedenklich sind.

Das Gespräch führte Robert Schulze von NDR 1 Radio MV.

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Weißer Zucker © picture-alliance / dpa / Stockfood Fotograf: Molly Hunter
 

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