Funkstille bei Plattdeutsch-Pflege

von Rainer Schobeß

Bücherregale auf denen ein Schild des Volkskulturinstituts angebracht sind. © NDR Detailansicht des Bildes Zugang zu regionaler Literatur wird erschwert: Das Volkskulturinstitut will sein Büro und die Bibliothek in Rostock zum Jahresende aufgeben. Plattdeutsch hat Verfassungsrang in Mecklenburg-Vorpommern. Das Land muss sich einsetzen für die Pflege und den Erhalt der niederdeutschen Sprache. Aber zur Zeit herrscht Funkstille. Bei der Plattdütsch-Pflege in Mecklenburg-Vorpommern kommen einige Probleme zusammen:

  • Das Land hat derzeit keinen Plattdeutsch-Beauftragten. Demnächst gibt es Vorstellungsgespräche, aber der oder die Neue muss sich dann natürlich erst einarbeiten.
  • Der Plattdeutsch-Unterricht an den Schulen steht in der Kritik.
  • Ein neuer Plattdeutsch-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche hätte längst beginnen sollen, aber es findet sich kein Träger.
  • Fördergelder des Landes für plattdeutsche Projekte können nicht eingesetzt werden, weil niemand sie abruft.

Geld für plattdeutsche Projekte ist vorhanden

Das heißt nicht, dass kein Interesse mehr an der Plattdeutsch-Pflege besteht. Aber außerhalb des Kultusministeriums gibt es einfach keine landesweiten Strukturen mehr. Bisher hatte der Landesheimatverband den Plattdeutsch-Wettbewerb organisiert. Im Mai aber musste die Dachorganisation aller Heimatvereine wegen ausbleibender Fördermittel Insolvenz anmelden.Geld für plattdeutsche Projekte ist weiterhin vorhanden, sagt das Kultusministerium. Und nachdem der Partner Heimatverband nicht mehr arbeitsfähig ist, sucht das Ministerium jetzt händeringend neue Partner, so hört man in der Szene. Aber landesweit agierende Träger sind einfach nicht in Sicht. Als Ausrichterin des Wettbewerbs war auch die Stiftung Mecklenburg schon im Gespräch. Doch für den Landesteil Vorpommern ist sie gar nicht zuständig. Möglicherweise hofft man jetzt im Ministerium auf den neuen Plattdeutsch-Beauftragten. In seiner Stellenausschreibung ist als Aufgabe ausdrücklich auch die Förderung des Plattdeutsch-Wettbewerbs genannt.

Aufgaben für Einzelnen nicht zu leisten

Harald Ringstorff spricht eine Stunde mit Schülern "up Platt". © DPA Bildfunk Fotograf: Jens Büttner Detailansicht des Bildes In einer Unterrichtstunde spricht der frühere Ministerpräsident Harald Ringstorff mit Kindern platt. Um die niederdeutsche Sprache zu erhalten, müssten ihm das die Lehrer gleichtun. Doch das ist für einen Einzelnen gar nicht zu leisten. Der oder die Plattdeutsch-Beauftragte soll sich mit einer halben Stelle zum Beispiel um neue Unterrichtsmaterialien und die Lehrerfortbildung kümmern. Das sei mit einer halben Stelle nicht zu schaffen, sagt die Niederdeutsch-Dozentin Birte Arendt von der Uni Greifswald. An ihrem Institut wurde gerade der fächerübergreifende Plattdeutsch-Unterricht an allgemeinbildenden Schulen im Land untersucht.

Niederdeutsch müsste an Schulen neu organisiert werden

Niederdeutsch ist hierzulande kein eigenes Fach, sondern wird integriert in Fächern wie Deutsch, Musik oder Geschichte behandelt. Viele Lehrer aber setzten das Konzept nicht um, und es werde auch nicht überprüft. Eigentlich müsste Niederdeutsch in der Schule völlig neu organisiert werden, meint die Wissenschaftlerin. Eigentlich gibt es genügend Arbeit für den neuen Plattdeutsch-Beauftragten. Eigentlich, aber so wie es aussieht, kommt jetzt nach zwei erfolgreichen Jahrzehnten noch nicht einmal ein Plattdeutsch-Wettbewerb für Schüler in Mecklenburg-Vorpommern zustande.  

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