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Schiffbauer und ihre Angehörigen demonstrierten vor dem Rostocker Rathaus.
Gegen das drohende Aus für die frühere Wadan-Werft in Warnemünde haben am Sonnabend in Rostock Schiffbauer und ihre Angehörigen protestiert. Unter dem Motto "Es ist fünf vor zwölf" hatten die IG Metall und der ehemalige Betriebsrat des seit Juni 2009 insolventen Unternehmens zu der Demonstration aufgerufen. Nach Angaben von Gewerkschaft und Polizei kamen rund 1.000 Menschen zu der Kundgebung vor dem Rathaus der Hansestadt. Die Kundgebung sollte den Druck auf Land und Bund sowie den neuen Eigentümer Witali Jussufow erhöhen, für eine Rettung der Nordic-Yards-Werften in Warnemünde und Wismar zu sorgen.
Der Sprecher der Gewerkschaft IG Metall in Rostock, Rüdiger Klein, forderte am Sonnabend, die Laufzeit der Transfergesellschaften um vier Monate bis zum 31. Juli zu verlängern. In die Gesellschaften in Rostock und Wismar waren rund 1.400 ehemalige Wadan-Mitarbeiter eingestiegen. Die Zeit könnte etwa für ein Investorenkonzept oder für die Qualifizierung der Arbeitnehmer für eine neue Produktion genutzt werden. Die Landesregierung lehnte dies allerdings bereits ab. Klein zufolge müssten Jussufow, die Landesregierung und die Arbeitnehmer an einen runden Tisch kommen, um die nächsten Schritte zu beraten. Der Gewerkschafter äußerte sich enttäuscht darüber, dass weder Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) noch Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) zu der Protestaktion gekommen waren.
Nach Angaben von Gewerkschaft und Polizei kamen zwischen mehr als 1.500 Menschen zu der Kundgebung.
Klein sagte, die Gewerkschaft habe seit Jahren vom Land vergeblich ein Werftenkonzept gefordert. "Jetzt muss eine kurzfristige Rettungsaktion her." Die Standorte müssten sich vom Massenschiffbau, besonders dem Containerschiffbau, verabschieden. "Das können andere besser und billiger als wir", sagte Klein. Genutzt werden müsse aber die Kompetenz der Werften. So könnten auch komplexe Systeme für die Gewinnung regenerativer Energien, für Umwelttechnik, Offshore-Anlagen oder die Dekontamination bis hin zu Fähren oder schwimmenden Plattformen gebaut werden.
Auch der frühere Rostocker Wadan-Betriebsrat Harald Ruschel verlangte, nach Alternativen zum Schiffbau zu suchen: "Wir können Stahl zum Schwimmen bringen, aber wir können aus Stahl auch andere Produkte machen." Damit es auf der Werft weitergehe, sei die Verlängerung der Transfergesellschaft auf die gesetzliche Laufzeit von zwölf Monaten - bis Ende Juli - notwendig. "Eine Verlängerung ist die einzige Chance für die Werften", sagte Ruschel.
Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) unterstützte die Forderungen der Gewerkschaft sowie den Vorschlag der Linken, beim Bund ein Investitionsprogramm für die Schiffe von Bundesbehörden aufzulegen, um den Werften kurzfristig Arbeit zu verschaffen. Die Zeit der verbalen Bekenntnisse sei vorbei, jetzt müsse kreativ nach neuen Aufträgen gesucht werden. Die Nordic-Werften haben seit fast zwei Jahren keine Neuaufträge mehr. Methling erteilte einem Bericht von NDR 1 Radio MV zufolge Gerüchten eine Absage, nach denen das Warnemünder Werftgelände als Industriegebiet aufgegeben werden soll.
Die IG Metall kündigte an, den Protest der Werftarbeiter bis nach Berlin zu tragen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der russische Präsident Dmitri Medwedew hatten im August dem neuen Investor politische Rückendeckung gegeben. Damit habe Merkel Verantwortung übernommen, an die sie nun erinnert werden solle, sagte Klein.