"Frühstück bei Stefanie" ausgezeichnet
Der Deutsche Radiopreis für die beste Comedy.
Video starten (04:57 min)Deutschlands beste Hörfunkmacher 2011 sind gekürt. Bei der Verleihung des Deutschen Radiopreises am Donnerstagabend in Hamburg hatte der NDR gleich zweimal Grund zum Feiern. In der Kategorie "Beste Comedy" gewann "Frühstück bei Stefanie" von NDR 2, für die beste Reportage wurde Kathrin Erdmann von NDR Info ausgezeichnet. Insgesamt vergab die Jury in zehn Sparten Preise.
Zum zweiten Mal pilgerten die Radiofans in den Schuppen 52 in Hamburg.
Innerhalb weniger Tage hatte sich der Schuppen 52 im Hamburger Hafen in ein Fernsehstudio verwandelt - ein Fernsehstudio, um das Medium Radio zu würdigen. Denn in der alten Lagerhalle wurde zum zweiten Mal der Deutsche Radiopreis verliehen. Und so begann der Abend auch ganz im Zeichen des Radios. Eine Minute vor Beginn der Veranstaltung ertönt eine Stimme: "Noch 60 Sekunden. Hier ist der Schuppen 52 im Hamburger Hafen. Gleich beginnt die Übertragung der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender des Deutschen Radiopreises 2011."
Zu Beginn der Gala begrüßten Thomas Mohr von NDR 2 und Sabine Beck von 105,5 Spreeradio die Gäste im Saal - und natürlich am Radio, denn die Gala wurde auch live im Hörfunk übertragen. Insgesamt sendeten über 50 Sender zwischen Flensburg und dem Bodensee die Gala im Radio.
"Fernsehfrau im Körper eines Radiomenschen": Moderatorin Barbara Schöneberger.
Erst danach betrat Moderatorin Barbara Schöneberger die Bühne. Die "Fernsehfrau im Körper eines Radiomenschen", so die Bayerin selbstironisch, freute sich, durch den Abend in der "Champions League der Radiomacher" zu führen.
Bevor die ersten Auszeichnungen überreicht wurden, appellierte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz: "Halten Sie das alte Medium jung und lebendig." Dass das bislang gelungen ist, zeigte der Abend. In zehn Kategorien wurden hochwertige Radioproduktionen verliehen. Und gleich bei der ersten Vergabe konnte sich der NDR freuen.
Der Chefredakteur der Zeit, Giovanni di Lorenzo hielt die Laudatio in der Kategorie "Beste Reportage". "Ich erinnere mich, wie ich mit einem Transistorradio in meinem Kinderzimmer in meinem Hochbett in Rimini liege und auf das Meer schaue", beschrieb di Lorenzo seine ersten Radioerfahrungen. Er fand aber auch ein paar mahnende Worte an die Radiomacher, er warnte vor Verflachung und Oberflächlichkeit: "Manchmal ist Radio eine Ödnis, auch in Hamburg", sagte der "Zeit"-Chefredakteur.
Di Lorenzo überreichte den Preis an Kathrin Erdmann von NDR Info. In ihrer Reportage "Enis wünscht sich ein Schreibpult" hat die Autorin einen 13-jährigen Flüchtling aus dem Kosovo 24 Stunden begleitet und dabei "nicht nur starke Eindrücke, sondern auch gehaltvolle Informationen über den schwierigen Alltag eines Flüchtlingskindes in einem Hamburger Problemstadtteil geschildert", heißt es in der Begründung der elfköpfigen Jury.
"Ich setze mich seit sechs Jahren für das Thema Integration ein, ich freue mich daher besonders, dass man mit so einem Thema so einen hochwertigen Preis gewinnen kann", sagte die Preisträgerin.
Nicht nur für Faxen gefeiert: Harald Wehmeier (li.) und Andreas Altenburg.
Auch NDR 2 konnte sich freuen: In der Kategorie "Beste Comedy" wurde der Sender ausgezeichnet – für eine Sendung, die längst nicht nur im Radio stattfindet, sondern vom Radio ihren Weg ins Fernsehen und Internet gefunden hat: Frühstück bei Stefanie. Steffis Bistro "lässt das alltäglich Banale ernsthaft erscheinen, das Ernsthafte wiederum alltäglich und banal", so die Begründung der Jury. Laudator Tim Mälzer freute sich sehr, dass der Preis nach Hamburg geht. Er überreichte Steffis "Vätern" den Preis, Andreas Altenburg und Harald Wehmeier. Dass Stefanie auch im Saal viele Fans hatte, zeigte sich am tobenden Applaus, mit dem die Comedy bedacht wurde.
Zwischen den Auszeichnungen plauderte Barbara Schöneberger auch immer wieder mit Thomas Mohr und Sabine Beck - das Radio stand ja auch im Mittelpunkt des Abends. Und so mancher der Laudatoren, die aus dem Fernsehen bekannt sind, erzählten vom Beginn ihrer Karriere, die - wie im Fall von Waldemar Hartmann - im Radio begann.
Hartmann hatte die Ehre, einen Sonderpreis zu überreichen. Der ging an einen Kollegen von ihm, der, wie vermutlich kein zweiter, mit seiner Stimme die ARD-Bundesligakonferenzen geprägt hat: Manfred Breuckmann. Er hat 36 Jahre Fußballspiele kommentiert, darunter über tausend Bundesliga-Begegnungen. "Sein Timbre ist unverwechselbar: eine markante, leicht kratzige, aber freundliche Stimme, die große Begeisterung über den Fußballsport transportiert", hieß es in der Begründung der Jury.
Und wenn Fußballexperten auf der Bühne stehen, durfte eine Frage natürlich nicht fehlen. Mohr wollte von Hartmann wissen, wie denn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft abschneidet. "Vor der Mannschaft muss man Bammel haben", sagte Hartmann - da sei einiges drin im nächsten Jahr, war sich der Experte sicher.
Herbert Grönemeyer wurde mit dem Sonderpreis des Beitrats geehrt. Schauspieler Peter Lohmeyer hielt die Laudatio.
Umrahmt wurde der Abend von einem hochkarätigen Showprogramm. Unter anderem traten James Blunt, Roxette und Herbert Grönemeyer auf, der auch gleich eine Auszeichnung mit nach Hause nehmen durfte: Er erhielt vom Beirat einen Sonderpreis. "Seine Songs laufen hundert Mal am Tag im deutschen Radio, sie bewegen Millionen Menschen und prägen die Musikprogramme ganzer Jahrzehnte", erklärte die Jury.
Nach der Gala konnten die Preisträger mit den vielen Gästen anstoßen und sich auf der Aftershowparty feiern lassen.