"Ein Kontakt auf ganz begeisternde Art"

Fünf Musiker der NDR Radiophilharmonie waren zu Gast in Hamamatsu und haben in Workshops mit zwei Ensembles gearbeitet. Die Einladung in die japanische UNESCO City of Music war bereits lange geplant, nun haben die fünf Orchestermitglieder eine intensive Woche mit einigen berührenden neuen Erfahrungen erleben können. Der Cellist Sebastian Maas erzählt im Gespräch von den gemeinsamen Erlebnissen.

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Der Cellist Sebastian Maas von der NDR Radiophilharmonie war mit mehreren Kollegen in Hamamatsu.

Mit wem habt ihr in Hamamatsu gearbeitet, wie gestalteten sich die Workshops?

Es waren zwei verschiedene Gruppen: Wir haben sowohl mit dem Ensemble Musik Hamamatsu, einem Laienorchester in Kammerorchestergröße, als auch mit einem Jugendorchester gearbeitet. In den Proben hatten wir überall Dolmetscher, auch in den Gruppenproben hatte jeder seinen eigenen Übersetzer. In meinem Fall war das sogar ein Cellist, der selbst mit den Kindern arbeitet, das war sehr angenehm. Dadurch war das Arbeiten vielleicht etwas umständlicher, aber es hat auch deswegen gut funktioniert, weil selbst die jüngeren Kinder enorm konzentrationsfähig waren. Man hatte geradezu das Gefühl, dass sie versuchen, einem die Wünsche von den Lippen abzulesen.

Eine intensive Arbeitsphase in Hamamatsu

Habt ihr das als einen Mentalitätsunterschied wahrgenommen?

Ja schon, jedenfalls ist eine solch erstaunliche Konzentrationsfähigkeit in Deutschland kaum zu finden. Außerdem herrschte beim Spiel eine große Homogenität, eine Freude am gemeinsamen Musizieren. Positiv überrascht hat mich auch der gute Umgang mit Unsicherheit, dass die jungen Musiker mehr auf Hören und Wahrnehmen ausgerichtet sind anstatt sich aus Unsicherheit blockieren zu lassen. Es war sehr interessant, mit wie viel Gefühl sich selbst gegenüber sie an die Sache herangehen. Beim Demonstrieren hatte ich den Eindruck, selbst kleinste Nuancen werden wirklich wahrgenommen. Das fand ich sehr inspirierend. Dafür war das Wissen um musikalische Phrasen oder Artikulation weniger ausgeprägt. Da würde ich einen Arbeitsschwerpunkt für die Zukunft sehen.

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Wie verlief die eigentliche Arbeit mit den beiden Ensembles?

Auch wenn unter den Laien das individuelle Niveau nicht sehr hoch war, lieferten sie eine erstaunlich gute Ensembleleistung im Zusammenspiel. Sie haben aus ihren individuellen Möglichkeiten im Ensemble sehr viel herausgeholt. Ich hatte sogar das Gefühl, dass sie gern noch individueller mit uns gearbeitet hätten. Im Jugendorchester haben wir neben der Arbeit an der Holberg-Suite auch über das Miteinander der einzelnen Stimmgruppen oder Fragen zu Rhythmus, Intonation oder dem Üben gesprochen. In dieser Woche sind wir ganz in ihre musikalische Fragen eingetaucht, das war ein Kontakt auf ganz begeisternde Art.

Das Ziel war ein gemeinsames Konzert - war es ein Erfolg?

Für uns standen zwei Konzerte auf dem Programm: Das erste haben wir selbst gemeinsam mit der hervorragenden Pianistin Akiko Tamura im Kammermusiksaal bei Yamaha gestaltet, unter den Zuhörern waren auch die Musiker vom Ensemble Musik Hamamatsu dabei. Am Ende der Woche fand ein Konzert mit allen Beteiligten statt: Das Jugendorchester hat allein angefangen, dann kam unser Quintett, das Ensemble Musik Hamamatsu und am Ende haben alle gemeinsam einen Satz aus Tschaikowskys Serenade für Streichorchester gespielt. Es gab großen Applaus, vor allem das Doppelkonzert von Bach ist unheimlich gut angekommen.

Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Beim gemeinsamen Abendessen mit dem Jugendorchester ist mir aufgefallen, dass die älteren den jüngeren Musikern ganz selbstverständlich übersetzt haben, wenn englisch geredet wurde. Dieses Miteinander fand ich sehr beglückend. Auch für uns persönlich gab es wirklich rührende Momente: Am Ende mussten wir sehr viele Autogramme geben, auf Programme, Noten bis hin zu Instrumentenkästen, das war wirklich süß. Für uns hat die Chemie gestimmt und wir hatten den Eindruck, dass die Ensembles profitieren konnten. Wir würden das sehr gern noch einmal machen, einfach auch um zu sehen, was sich nächstes Mal verändert hat.

Wie habt ihr die Umgebung, die Musikstadt Hamamatsu erlebt?

Dass Hamamatsu eine Musikstadt ist, kann man überall sehen: es gibt viele Denkmäler mit Musikbezug, die U-Bahnhöfe sind als Musikstationen mit Instrumenten gestaltet, im Hotel waren auf den Aufzugtüren Musikhandschriften eingraviert, es gibt ein großartiges Instrumentenmuseum… Man merkt, dass sie sich das Motto Musikstadt wirklich auf die Fahnen geschrieben haben. Bei unserem offiziellen Empfang im Rathaus und dem Abschiedsessen mit dem Bürgermeister gab es sehr positives Feedback für unsere gemeinsame musikalische Arbeit. Ein Wunsch aller ist es, dass die Arbeit fortgeführt wird und dass die NDR Radiophilharmonie, wenn möglich, auch einmal im großen Konzertsaal von Hamamatsu gastiert.