Greetings from New York

Trompeten-Legende mit jungen Herausforderern: Tomasz Stanko und sein New York Quartet.
Legenden schaffen: Tomasz Stanko New York Quartet

Mit dem Begriff "Legende" sollte man sicherlich sparsam umgehen, aber auf Tomasz Stanko trifft er einfach zu. Der 74-jährige Trompeter besitzt einen einzigartigen, rauen und zuweilen abgründigen Ton und schrieb in der Band seines polnischen Landsmanns, des Pianisten und Komponisten Krzysztof Komeda, bereits in den 1960er Jahren Jazzgeschichte.

Der einstige Pionier des europäischen Jazz pflegt immer noch sein zeitlos intensives Spiel, ist bis heute neugierig und auf der Suche nach jüngeren Musikern, die ihn nicht bewundern, sondern herausfordern - und genau das tut eine Rhythmusgruppe, in der Reuben Rogers und Gerald Cleaver spielen! Im NDR stellt Tomasz Stanko das aktuelle, hochkarätig besetzte "New York Quartet" vor.

"Meine Musik braucht viel Zeit"

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56:03

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13.01.2017 22:05 Uhr
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"Ich bin ein Großstadtmensch", sagt Tomasz Stanko. "Ich genieße das Angebot von Kunst und Musik." Mitte der 1990er-Jahre mietete er deshalb eine kleine Wohnung in New York und wurde bald selbst ein Teil der Jazzszene in der legendären Metropole. Vor fünf Jahren schließlich präsentierte er erstmals sein New York Quartet. "Meine Musik braucht viel Zeit", erklärt er die Verzögerung, "besonders, wenn ich eine neue Band zusammenbringe." Zur Erinnerung: 1994 hatte Stanko in Polen zusammen mit drei Teenagern (u. a. mit Marcin Wasilewski) ein Quartett gegründet, das zwölf Jahre zusammenblieb und drei gefeierte Alben veröffentlichte.

"Ich spiele gern mit jungen Musikern", sagt der Trompeter, der im Sommer 75 Jahre alt wird und der schon Größen seiner Generation von Bobo Stenson bis Dave Holland zu seinen Sidemen zählte. "Die Jungen sehen die Geschichte von einem anderen Standpunkt aus. Natürlich kennen sie Miles Davis. Aber sie lieben andere Teile seiner Musik, als ich das tue. Gleichzeitig sind sie breiter ausgebildet. Gerald Cleaver zum Beispiel ist als Schlagzeuger ein hervorragender Zeitgeber. Ganz schlicht. Ich liebe das. Aber er ist eben auch sehr stark, wenn er free spielt."

Zwischen Melodie und Freiheit, Avantgarde und Tradition

Cleaver gehört zur neuen Ausgabe des New York Quartet, in der der 1974 im karibischen St. Thomas geborene Reuben Rogers die Position des Bassisten übernommen hat. Er hat sich im vergangenen Jahrzehnt u. a. in den Besetzungen von Joshua Redman und Charles Lloyd einen Namen gemacht. Als Pianisten hat Stanko den Finnen Alexi Tuomarila eingeladen, der bereits 2009 in Stankos skandinavischem Quartett den "jazzigen Part in der Band" vertrat, wie Tomasz Stanko sich erinnert.

Der Trompeter liebt das Miteinander von Avantgarde und Tradition: "Als ich einmal mit Lee Konitz spielte, rief er ständig Standards auf. Ich kannte die zwar von den alten Platten, aber eben nicht genau die Akkorde. Also suchte ich einen Weg zwischen Melodie und Freiheit, und so spiele ich noch heute."