Impro-Abenteuer: Joachim Kühn und Viktor Tóth

Er gehört zu den Weltstars des Jazz: Joachim Kühn (links). Im anderen Set ist der ungarische "Jazzmusiker des Jahres" Viktor Tóth (rechts) zu erleben.

Ein Weltstar und Ungarns "Jazzmusiker des Jahres 2016" bestritten das zweite Konzert der NDR Jazz Reihe im Rolf-Liebermann-Studio.

Do, 03.03.2016 | 20 Uhr
Fr, 04.03.2016 | 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio (Oberstraße 120)

Set 1:
Viktor Tóth Arura Trio
Viktor Tóth Saxofon
Miklós Lukács Cimbalom
György Orbán Bass

Set 2:
Joachim Kühn - Asja Valčić - Prabhu Edouard: "The Sound Of Feeling"
Joachim Kühn Piano
Asja Valčić Cello
Prabhu Edouard Percussion

Hinweis:
Das Parken auf dem Gelände des NDR ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Es werden Taschenkontrollen durchgeführt.

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Charlie Parker in der Puszta: Viktor Tóth Arura Trio

Jazz aus Ungarn - das war lange Zeit ein kaum beschriebenes Blatt, mit nur einigen wenigen bekannten Namen wie Lajos Dudas, Attila Zoller oder Tony Lakatos. Das Arura-Trio des jungen Saxofonisten Viktor Tóth ist dabei, das zu ändern. Er verbindet eine an Coltrane und Parker geschärfte Spielkultur mit den Hintergründen der ungarischen Volksmusik. Tóths Landsmann Miklós Lukács improvisiert derart gekonnt auf seinem Hackbrett (Cimbalom), dass ihn der große Charles Lloyd bereits in seine Band holte.

Viktor Tóth, das Cimbalom ist ja ein ungewöhnliches Jazzinstrument. Ist das eine Art Markenzeichen für Ihr Trio?

Viktor Tóth: Nein, trotzdem ist es in diesem Trio wichtig: Wir spielen Balladen, ohne Schlagzeug. Wir haben diese besondere Musik nach der Arura-Pflanze genannt, einer buddhistischen Heilpflanze.

Ist dieser spirituelle Hintergrund wichtig für Ihre Musik?

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Eine kraftvolle Synthese: Viktor Tóth verbindet Jazz mit Volksmusik seiner ungarischen Heimat.

Tóth: Ja, die Musik hat schon eine Art Botschaft. Allein schon das Improvisieren. Ich spiele immer im und für den jeweiligen Moment - und ich möchte das Publikum darin auch mitnehmen. Ich will nichts wiederholen, lieber gehe ich ständig neue Risiken ein, mache mich damit auch angreifbar.

Wie reagiert man denn in Ungarn auf Ihre Lust am Experiment?

Tóth: Die Folklore ist in Ungarn sehr präsent, schon die Kinder kennen die jahrhundertealten Lieder, manche Texte können gar nicht mehr übersetzt werden. Das Publikum ist daher daran gewöhnt, ernst gemeinte, spirituelle Musik zu hören. Sie langweilen sich, wenn jemand nur so ein paar Stücke spielen will wie in einer Jam-Session.

Und welche Rolle spielt die Folklore in ihrer eigenen Musik?

Tóth: Ich reise viel und sammle Melodien bei alten Leuten, wie es Béla Bartók getan hat. Doch ich bin offen für alle Stile, auch Bebop und Tibetische Lehren, das ist alles in meinem Herzen. Aber ich will daraus etwas Neues schaffen. Nicht: Hier ist der folkloristische Teil, und da dann etwas Jazz. Ich will meinen Weg finden, herausfinden wer ich bin und warum ich spielen muss.

Sendetermin: Sonnabend, 09.04.2016, 22.05 Uhr auf NDR Info.