Auf der Welle des Ungewissen

Leon Gurvitch (li.) und Gerald Clayton spielen im Rolf-Liebermann-Studio.

Sie denken nicht in Stilen, sondern bringen ihre Energien zusammen: Im März brachte die Reihe Jazzkonzerte das Gerald Clayton Trio nach Hamburg und vereinte Jazz und osteuropäische Folklore mit Leon Gurvitch und Frank London.

Do, 19.03.2015 | 20 Uhr
Fr, 20.03.2015 | 20 Uhr

Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio

Set 1:
Gerald Clayton Trio
Gerald Clayton Piano
Joe Sanders Bass
Obed Calvaire Schlagzeug

Set 2:
Leon Gurvitch feat. Frank London
Leon Gurvitch Piano, Komposition
Frank London Trompete
Benjamin Weidekamp Saxofon / Klarinette
Omar Rodriguez Calvo Kontrabass
Diego Pinera Schlagzeug

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Gerald Clayton Trio

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Mitten im Jazz aufgewachsen: Gerald Clayton.

Aufgewachsen ist Gerald Clayton buchstäblich mitten im Jazz. Sein Vater ist der Bassist John Clayton, der zuhause komponierte und dort mit Kollegen probte. Heute gehört der Sohn selbst zu den Innovatoren: als Sideman von Roy Hargrove, Ambrose Akinmusire oder Charles Lloyd - und nicht zuletzt mit seinem eigenen Trio. 

Gerald, Sie wurden in den Niederlanden geboren, sprechen Holländisch. Ist es ein bisschen "Nach-Hause-kommen", wenn Sie auf Tournee in Europa sind?

Gerald Clayton: Ja, ich habe ständig Déjà-Vu-Momente. Aber ich bin in L.A. aufgewachsen. Ich bin eher ein Kalifornier.

Wie hat Sie das geprägt?

Clayton: Wir wohnten zwar nicht nah zum Strand, aber ich habe mich schon früh in die Wellen verliebt. Wann immer ich da bin, gehe ich morgens ins Meer. Mit der Brandung zu spielen, ist eine gute Übung zum Improvisieren. Wenn man Musik macht ist es das Wichtigste, die Ohren offen zu halten, um die Klänge zu verarbeiten, die auf Dich zukommen. Und ein Gefühl dafür zu entwickeln, was gerade in diesem Moment passiert. Wenn ich etwas in Klängen ausdrücken will, dann erinnere ich mich oft an Gefühle aus dem Alltagsleben. Und das Gefühl, im Meer zu sein, gehört zu meinen lebendigsten Erinnerungen.

In Ihrer Musik schwingen oft ganz aktuelle Beats und Sounds mit. Bringen Sie die auch ins Quartett mit dem Altmeister Charles Lloyd ein?

Clayton: Aktuelle Beats … solche Kategorien bedeuten mir nichts. Und Charles Lloyd ist ein Meister, der seinen Musikern nicht vorschreibt, was sie zu spielen haben. Wir denken nicht in Begriffen oder Stilen. Wir versuchen eher, unsere Energien zusammenzubringen und gemeinsam Musik zu erschaffen. Und so mache ich das auch mit meinem Trio. Das Gute dabei ist: Je nachdem, mit wem Du gerade spielst, gibt es unterschiedliche unbekannte Faktoren. Du kannst Dich nicht wirklich drauf vorbereiten. Ich sage immer, es geht darum, "die Welle des Ungewissen zu reiten".

Interview: Tobias Richtsteig