Sonderkonzert: "Il Manierismo in Italia"
Mi, 15.02.2012 | 19 Uhr
Hamburg, St. Johannis-Harvestehude
19 Uhr: Vorkonzert
Christophe Desjardins Viola
DOMENICO GABRIELLI
aus: Ricercari für Cello solo
(Bearbeitung für Viola)
IVAN FEDELE
Ritrovari für Viola solo
(Uraufführung, Auftragswerk des NDR)
20 Uhr: Konzert
Neue Vocalsolisten Stuttgart
Was ist alt und was ist neu? Hört man die kryptischen Madrigale von Carlo Gesualdo, des berüchtigten "principe assassino", der Dissonanzen und extreme Chromatik verwendete oder Akkorde aneinanderreihte, zwischen denen keinerlei Zusammenhang besteht, dann mag man kaum glauben, dass diese Musik schon vor mehr als 400 Jahren entstanden sein soll. Nicht viel anders verhält es sich mit Michelangelo Rossi, dem um eine Generation jüngeren Landsmann Gesualdos, dessen Werke das Attribut "experimentell" nicht minder verdienen.
Aus alt mach neu
Es kann deshalb nicht verwundern, dass die italienische Madrigalkunst, wie sie von der späten Renaissance bis zum frühen Barock erblühte, auch unter den zeitgenössischen Komponisten zahlreiche Bewunderer findet: Voran zu nennen wäre Salvatore Sciarrino, der nicht nur selbst Madrigale komponierte, sondern Gesualdo sogar ein ganzes Bühnenwerk widmete, die 1998 uraufgeführte Oper "Luci mie traditrici".
Mit der Madrigalform und dem musikalischen Manierismus haben sich aber auch Komponisten wie Girolamo Arrigo, Andreas Dohmen und Pascal Dusapin eindrucksvoll auseinandergesetzt.
Eine Brücke über die Jahrhunderte
Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart
Die Neuen Vocalsolisten Stuttgart, ein siebenköpfiges Kammerensemble für Stimmen, das sich seit 1984 der Erforschung neuer Klänge, Stimmtechniken und Artikulationsformen verschrieben hat, spannten im Konzert am 15. Februar eine Brücke über die Jahrhunderte. Und das Alte klang mit einem Mal unerhört neu, das Neue aber vertrauter als gedacht.
Im Vorkonzert übertrug Christophe Desjardins, Solobratscher des Ensemble intercontemporain, dieses Konzept auf sein Instrument, als er Ricercari von Domenico Gabrielli mit einer Komposition von Ivan Fedele koppelte.
Eine Kooperation von NDR das neue werk und NDR Das Alte Werk.
Konzertprogramm:
CARLO GESUALDO DA VENOSA
Dolcissima mia vita
Languisce al fin
Se la mia morte brami
Mille volte il dì
O voi troppo felici
Felicissimo sonno
SALVATORE SCIARRINO
L'Alibi della parola
für 4 Männerstimmen
(1994)
GIROLAMO ARRIGO
Tre madrigali à 5 voci
(rime di Michelangelo Buonarroti):
Sol io ardendo
Vivo della mia morte
S'i'vivo più di chi più m'arde
(1973)
ANDREAS DOHMEN
Infra für 5 Stimmen
(2008)
MICHELANGELO ROSSI
Occhi, un tempo mia vita
Or che la notte
Per non mi dir
Come sian dolorosa
PASCAL DUSAPIN
Semino
für 6 Stimmen
(1984/85)
Manierismus: Welt des Zweifels und der geheimen Lebensangst, Panzer statt Leib, Maske statt Gesicht, Dämonie und Absurdität...