Sarah Maria Sun & Quatuor Diotima

Wandelbar und ausdrucksstark wie ein Chamäleon - auch so ließe sich Shooting Star Sarah Maria Sun gut beschreiben.

Dieter Schnebel ist der unangefochtene Großmeister der komponierten Sprachperformance. Alles, was man mit der menschlichen Stimme anstellen kann, hat der Komponist und Theologe in seinem Werk erprobt. Sarah Maria Sun präsentiert nun die Neufassung von Schnebels "Yes I Will Yes"; das Quatuor Diotima stellt Schnebels Musik in einen Zusammenhang mit den Werken seiner Vorbilder und Zeitgenossen.

Internationales Musikfest Hamburg
Sa, 26.05.2018 | 19.30 Uhr
Hamburg, Elbphilharmonie, Kleiner Saal (Platz der Deutschen Einheit 1)

Quatuor Diotima & Sarah Maria Sun

Quatuor Diotima:
YunPeng Zhao Violine
Constance Ronzatti Violine
Franck Chevalier Viola
Pierre Morlet Violoncello

Sarah Maria Sun Sopran
Johannes Fischer Schlagzeug
Axel Schäffler Video / Visual Projection
Dieter Schnebel Einführung und Gespräch

THEODOR W. ADORNO
Streichquartett
ARNOLD SCHÖNBERG
Streichquartett Nr. 2 fis-Moll op. 10
PIERRE BOULEZ
Auszüge aus "Livre pour quatuor"
BRIAN FERNEYHOUGH
Adagissimo

Nachtstudio:
DIETER SCHNEBEL
"Yes I Will Yes" – Schlussmonolog der Molly aus Joyce' "Ulysses" (Uraufführung der Neufassung mit Video, Auftragswerk des NDR)

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"Yes I Will Yes"

Ja, der Monolog der Molly Bloom aus dem Schlusskapitel von James Joyce' Roman "Ulysses" zeigt die Welt aus weiblicher Sicht - aber so, wie ein Mann wie Joyce sich das eben dachte. Mit schonungsloser Offenheit redet Molly über ihren Ehemann, ihre Liebhaber, Freundinnen, das allzu kokette Hausmädchen, über Trauer, Sex und Menstruationsbeschwerden. Ihre Antwort auf alle Zumutungen des Lebens bleibt das emphatische "Yes".

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Das von Absolventen der Konservatorien Paris und Lyon gegründete Quatour Diotima gehört weltweit zu den gefragtesten Kammerensembles überhaupt.

Mit seiner Vertonung des Molly-Monologes schuf Schnebel eine Paraderolle für die Darstellerin und Sängerin Sarah Maria Sun. "Ein unterhaltsames, raffiniertes, tragikomisches, denunzierendes Monodram, mit dem man das Publikum eine Stunde lang unterhält und hoffentlich, wie Joyce es wollte, amüsiert", nennt Sun ihr Stück. Nach der Uraufführung 2016 stellt sie nun die um ein Video erweiterte Fassung von "Yes I Will Yes" vor.

"Luft von anderem Planeten"

Arnold Schönbergs Streichquartett Nr. 2 in fis-Moll von 1908 bildet den Auftakt zur Moderne. Schönberg sprengte hier die Grenzen der Tonalität und der Gattung, indem er das Ensemble um eine Sopranistin erweiterte. Der Text, den diese singt, ist Programm: "Ich fühle Luft von anderem Planeten." Pierre Boulez und Brian Ferneyhough haben das Projekt Moderne auf ihre Weise fortgeführt.