Von Evergreens der Barockmusik wie Händels "Ombra mai fu" über Raritäten und Ausgrabungen musikalisch findiger Schatzgräber bis hin zu der Uraufführung eines Blockflötenkonzerts reichen die Pläne für die neue Spielzeit.
Die Saison 2013/2014
Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L'Arpeggiata erweist uns die Ehre, Ottavio Dantone wird mit dem NDR Chor Vivaldis Oratorium "Juditha triumphans" musizieren, Laurence Cummings hat sich dem "Joshua" von Händel verschrieben. Dorothee Oberlinger und Maurice Steger ergründen den unerschöpflichen Reiz und Reichtum der längst rehabilitierten Flûte douce. Und mit Valer Sabadus stellt sich ein junger Countertenor in Hamburg vor, der mit seiner Vokalkunst derzeit Publikum und Fachwelt aus der Fassung bringt.
Sechs Abokonzerte: von verliebten Göttern und Schatzgräbern
Zum Auftakt der Saison widmen sich Christina Pluhar und L'Arpeggiata dem venezianischen Komponisten Francesco Cavalli. "L'Amore innamorato", "Der verliebte Amor", heißt ihr neues Programm, das Arien, Lamenti und Instrumentalstücke aus sieben verschiedenen Cavalli-Opern kombiniert.
Das Barockensemble Le Poème Harmonique (vorne in der Mitte: Leiter Vincent Dumestre).
Auf eine Zeitreise in das Venedig des Goldenen Barock lädt das französische Ensemble Le Poème Harmonique: Sie geleiten uns durch einen Tag in den Straßen und den prunkvollen Palästen der "Serenissima", durch das poetische Treiben des venezianischen Karnevals. Der französische Regisseur und Barockspezialist Benjamin Lazar führt das Geschehen aus der reinen Konzertsituation hinaus: Er hat mit dem Ensemble und den Solisten ein szenisches Konzept erarbeitet, das ganz dem Vorbild historischer Aufführungen folgt.
Von Venedig nach Neapel und zurück
Er nennt mehr als 70 Blockflöten sein eigen: Der Schweizer Maurice Steger ist einer der Stars der Blockflöten-Szene.
Zum "Horowitz der Blockflöte" hat ihn die "Süddeutsche Zeitung" ausgerufen: den Schweizer Virtuosen Maurice Steger, der zugleich ein unermüdlicher Schatzgräber ist. Seine jüngste Entdeckung sind neapolitanische Flötenkonzerte von Domenico Sarri und Leonardo Leo, die er in Hamburg gemeinsam mit dem Venice Baroque Orchestra zu Gehör bringt.
Von Antonio Vivaldis vier großen Oratorien ist leider nur "Juditha triumphans" erhalten geblieben: Vivaldi komponierte dieses Werk 1716 für die Elevinnen des venezianischen Ospedale della Pietà; deshalb sind alle Rollen, selbst die des Machos Holofernes, mit weiblichen Stimmen besetzt. Ottavio Dantone, einer der führenden Vivaldi-Spezialisten der Gegenwart, wird dieses packende Oratorium mit seiner Accademia Bizantina, dem NDR Chor und renommierten Solistinnen aufführen.
Händel als Hausgott
Valer Sabadus ist ist derzeit einer der interessantesten Countertenöre der Szene.
Die Zunft der Countertenöre hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt, nicht nur, was ihre Präsenz auf den Bühnen und Konzertpodien angeht – niemand aber sorgt derzeit für mehr Furore als Valer Sabadus, der 1986 in Rumänien geboren wurde und als Fünfjähriger mit seiner Familie nach Deutschland kam. In der Reihe NDR Das Alte Werk widmet sich Valer Sabadus einem seiner Hausgötter, dem Opernkomponisten Georg Friedrich Händel.
Das Ensemble Al Ayre Español begeisterte bereits in der vergangenen Saison das Hamburger Publikum.
"Händel war ein Mensch, der das Leben zu genießen verstand, und seine Musik strahlt genau diese Lebensfreude aus. Wenn ich mir seine Werke ansehe, habe ich das Gefühl, als würden sie mich auffordern: Fass mich an und spiel mich mal …", bekennt der spanische Cembalist und Dirigent Eduardo López Banzo, der sich mit seinem Ensemble Al Ayre Español seit nunmehr 25 Jahren dem Schaffen dieses großen Europäers verschrieben hat. Sein jüngstes Händel-Projekt ist den sieben Triosonaten op. 5 gewidmet, die 1739 im Druck erschienen sind: Händel hat sich mit diesen Werken selbst "parodiert", er hat sie aus Tanzsätzen verschiedener Opern, Anthems und Konzerte kompiliert, die er dann neu für zwei Violinen und Basso continuo einrichtete.
Sonderkonzerte: die Geburt der Oper, ein Bacchanal und eine Uraufführung
Das Bucerius Kunst Forum stellt den antiken Gott, das "Symbol der Lebensfreude", ab dem 3. Oktober 2013 ins Zentrum einer eigenen Ausstellung: "Dionysos. Rausch und Ekstase", in deren Rahmen NDR Das Alte Werk mit zwei Sonderkonzerten vertreten ist. Nach der "Geburt der Oper in Italien" mit The Harp Consort und dem Tenor Marco Beasley wird wenige Wochen später das Ensemble Correspondances aus Frankreich mit seinem künstlerischen Leiter, dem Organisten und Cembalisten Sébastien Daucé, ein "Bacchanale à la française" feiern.
Sie bringt ein neues Blockflötenkonzert zur Uraufführung: Dorothee Oberlinger.
Die Blockflötistin Dorothee Oberlinger und die Sonatori de la Gioiosa Marca kombinieren in ihrem Programm Musik von Vivaldi, Reali und Telemann mit Konzerten und Solostücken von György Ligeti, Drake Mabry, Luciano Berio und Marijn Simons, dessen "Apocatastasis" zur Uraufführung gelangt.
Zum Abschluss: Händel
Zu Händels Lebzeiten zählte das 1748 uraufgeführte Oratorium "Joshua" zu seinen erfolgreichsten Werken überhaupt, und das hatte gleich mehrere gute Gründe. Zum einen traf die Geschichte um den biblischen Heerführer Josua, der für die Israeliten das Land Kanaan erobert, den Nerv einer patriotisch gestimmten Gesellschaft. Zum anderen aber hatte Händel dem Volk die musikalische Hauptrolle zugedacht, mit Chorsätzen, deren hymnischer Elan seinesgleichen sucht. Laurence Cummings, seit 2012 Chef der Göttinger Händel-Festspiele, wird das Oratorium mit dem NDR Chor und dem FestspielOrchester Göttingen zur Aufführung bringen.