René Jacobs & das Helsinki Baroque Orchestra

René Jacobs und das Helsinki Baroque Orchestra begeisterten das Hamburger Publikum bei ihrem ersten gemeinsamen Gastspiel auf deutschem Boden.

Im Konzert: René Jacobs beim Alten Werk

Wem ganz weihnachtlich zumute wurde bei diesem Konzert mit René Jacobs und dem Helsinki Baroque Orchestra, der lag nicht völlig falsch: Denn Johann Sebastian Bach übernahm sämtliche Arien und den Eingangschor aus seiner 1733 komponierten Kantate "Herkules auf dem Scheidewege" wenig später in sein Weihnachts-Oratorium, mit verändertem Text natürlich.

Mi, 29.10.2014 | 20 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle

Helsinki Baroque Orchestra
René Jacobs Leitung
Sunhae Im Sopran
Benno Schachtner Countertenor
Julian Prégardien Tenor
Arttu Kataja Bass

JOHANN SEBASTIAN BACH
"Trauerode" - Kantate BWV 198
"Herkules auf dem Scheideweg" - Kantate BWV 213

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Er ist Sänger, Dirigent, Wissenschaftler und Lehrer und im Bereich der barocken und klassischen Vokalmusik längst unantastbar: René Jacobs.
Parodieren statt Kopieren

Bach arbeitete also im Parodieverfahren - so lautet das Fachwort für sein Vorgehen, dem damals, im Unterschied zum heutigen Sprachgebrauch, noch nichts Anrüchiges anhaftete.

Heldenhafte Tugenden

Wenngleich es kurios anmutet, dass dieselbe Musik, die in der Kantate das Liebesduett "Ich bin deine, / Du bist meine" mitsamt der handfesten Aufforderung "Küsse mich, / Ich küsse dich" ausschmückt, im Oratorium für die Aussage "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen" verwendet wird. Bach schuf den "Herkules" als Huldigungsgabe zum 11. Geburtstag des sächsischen Kurprinzen Friedrich Christian, der ein kränkliches Kind war, weshalb der allegorische Bezug auf den griechischen Helden etwas gewagt sein mochte, aber immerhin die verheißungsvolle Perspektive eines tugendhaften Lebensweges eröffnete.

Von der Trauerode zur Markus-Passion

Auch die Trauerode "Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl" aus dem Jahr 1727 entstand für das sächsische Herrscherhaus, genauer gesagt: als Gedenkmusik zum Tod der Kurfürstin Christiane Eberhardine, der Gattin Augusts des Starken. Abermals erwies sich Bach als gewiefter "Parodist" und adaptierte fünf der Sätze für die "Markus-Passion". Da dieses Werk jedoch verschollen ist, wurden hier zumindest keine österlichen Gefühle wach.