Händels Brockes-Passion mit Concerto Copenhagen

Alte Musik lebendig und zeitgemäß innovativ musizieren - das ist eines der Markenzeichen des 1991 gegründeten Barockorchesters Concerto Copenhagen. Inzwischen hat es sich zu dem führenden Alte-Musik-Ensemble Skandinaviens entwickelt.

Etliche Komponisten haben den Passionstext von Barthold Heinrich Brockes vertont - von Keiser über Telemann und Mattheson bis zu Georg Friedrich Händel, der die Verse 1716 in Musik setzte. Letztere Version, die schon fast einer barocken, dramatisch-emotionalen Oper gleicht, bringt Concerto Copenhagen nun in der Reihe NDR Das Alte Werk auf die Bühne.

Do, 29.03.2018 | 20 Uhr
Hamburg, Laeiszhalle (Johannes-Brahms-Platz 1)

19 Uhr: Einführungsveranstaltung im Kleinen Saal

Concerto Copenhagen
Lars Ulrik Mortensen Leitung
Maria Keohane Sopran
Joanne Lunn Sopran
Sophie Junker Sopran
Daniel Elgersma Alt
Daniel Carlsson Alt
Ed Lyon Tenor
Gwilym Bowen Tenor
Peter Harvey Bass
Jakob Bloch Jespersen Bass

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
Brockes-Passion –
"Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus"
Passionsoratorium für Soli, Chor und Orchester HWV 48

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Der Landherr von Hamm und Horn als Literaturlieferant

Er war Ratsherr und Senator in Hamburg, reiste als Diplomat durch Europa, amtierte als Landrichter und wurde schließlich zum Landherrn von Hamm und Horn ernannt: Barthold Heinrich Brockes (1680 bis 1747), Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, absolvierte eine hanseatische Bilderbuchkarriere. Sein wahres Faible aber galt der Literatur. Gleich sein erstes großes Werk sollte ihm internationalen Ruhm eintragen: "Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus" lautete der sperrige Originaltitel dieser freien Nachdichtung der Passionsgeschichte, die er 1712 veröffentlichte.

Italienische Oper im Mantel einer Passionsgeschichte

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Der international gefragte Cembalist Lars Ulrik Mortensen übernahm 1999 die künstlerische Leitung des Concerto Copenhagen.

Georg Friedrich Händels Vertonung der Passionsgesschichte ist sein einziges geistliches Werk in deutscher Sprache. Stilistisch aber folgt er eher italienischen Vorbildern. Der Unterschied zu den Bach-Passionen könnte markanter kaum sein: Händels Musik sucht die Nähe zur Barockoper, sie ist dramatisch aufgeladen und eignet sich kaum für die Aufführung im Gottesdienst. Bach muss dennoch beeindruckt davon gewesen sein, er ließ sich das Notenmaterial eigens nach Leipzig schicken und verwendete sieben Arien daraus für ein Passions-Pasticcio, das er in seinen letzten Lebensjahren kompilierte.

"Geschmackloser Theatereffect"

Im 19. Jahrhundert aber geriet die "Brockes-Passion" in Misskredit; sein "Theatereffect" und die "sinnliche Gewalt" erschienen selbst Friedrich Chrysander, dem Herausgeber der Händel-Ausgabe, als "geschmacklos". Doch der Zeitgeist hat sich längst wieder geändert – zum Glück.