"Welt und Geist" in Lübeck

Die Jakobikirche wurde im Jahre 1334 als Kirche der Seefahrer und Fischer geweiht. Sie ist eine Station auf dem Jakobsweg von Nordeuropa nach Santiago de Compostela.

Tõnu Kaljuste wurde berühmt im Zuge der "Singenden Revolution" Estlands und leitete seither bedeutende Profichöre weltweit. Seine kleine Tournee durch den Norden beschließt der Stardirigent in Lübeck.

So, 11.03.2018 | 17 Uhr
Lübeck, St. Jakobi (Jakobikirchhof 3)

Tõnu Kaljuste Dirigent
NDR Chor

"Welt und Geist"

KRZYSZTOF PENDERECKI
"Agnus Dei" für achtstimmigen gemischten Chor
ARVO PÄRT

  • "Nunc dimittis" für vierstimmigen gemischten Chor
  • "Dopo la vittoria. Piccola cantata" für vierstimmigen gemischten Chor
  • "Magnificat" für vierstimmigen gemischten Chor
SERGEI I. TANEJEW
  • "Swiosdi" (Sterne)
  • "Wetscher" (Abend)
  • "Raswalini baschni" (Die Ruinen des Turms)
aus: 12 Chöre a cappella nach Gedichten von Jakow Polonski op. 27
RAYMOND MURRAY SCHAFER
"Epitaph for Moonlight"
VERJO TORMIS
  • "Virmalised" (Nordlicht) aus: "Talvemustrid" (Wintermuster), Teil IV des Zyklus Looduspildid (Naturbilder)
  • Gesang des Johannes aus: Estnische Kalenderlieder, Teil 5: Jaanilaulud (Johannislieder)

Weitere Konzerttermine: 9. März in Oldenburg und 10. März in Itzehoe

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Viel gefragter Dirigent

In einer Liste der zwölf bedeutendsten Persönlichkeiten aus dem heutigen Estland führte eine Zeitung 2014 zwei Musiker ganz vorn an: den Komponisten Arvo Pärt auf Platz eins, auf Platz zwei den Dirigenten Tõnu Kaljuste. Er schuf mit seinem Philharmonischen Kammerchor der "Singenden Revolution" im Baltikum noch vor den Wendejahren ein professionelles Rückgrat. Das heutige Kulturleben Estlands und seine internationale Ausstrahlung verdanken ihm viel. Nach der Wende wurde er zum viel gefragten Dirigenten vor allem von Profichören weltweit, als Chefdirigent leitete er den Dänischen Rundfunkchor und den Niederländischen Kammerchor.

Exemplarisch für Estland: Tormis und Pärt

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Arvo Pärt, geboren 1935, schuf fast ausschließlich religiös motivierte Musik.

Das Sonderkonzert, das er mit dem NDR Chor gibt, trägt die Handschrift seiner Geschichte. Zwei prägende estnische Komponisten stehen im Vordergrund: Arvo Pärt und Veljo Tormis. Tormis, bei dem Pärt studierte, entwickelte sich seit den späten 1960er-Jahren zum Bartók Estlands: Er sammelte alte Volksgesänge auch kleiner Bevölkerungsgruppen und nahm sie als Grundlage für Volksliedbearbeitungen und freie Kompositionen. Zwei Pionierwerke dieser Richtung beschließen das Programm.

Arvo Pärt, der Estland 1980 verließ und 1982 seinen Hauptwohnsitz in Berlin nahm, wurde vor allem durch seinen Stil einer radikalen Vereinfachung und meditativen Klanglichkeit bekannt. Die Bandbreite dieses Ideals demonstriert Kaljuste an zwei Vertonungen biblischer Hymnen und einer Kantate, welche die Legende um die Entstehung des "Te Deum", des Großen Lobgesangs, erzählt.

Vokalmusikalische Avantgarde

Kaljuste stellt die beiden Landsleute in Zusammenhänge, die für seine ästhetische Erfahrung wichtig waren. Krzysztof Penderecki steht beispielhaft für die (Post-)Moderne in Polen, die in Osteuropa lange eine Vorreiterrolle spielte. Mit seinem musikalisch-poetischen Stilbewusstsein nahm der Tschaikowsky-Schüler Sergei Tanejew in der russischen Musik um 1900 eine Minderheitenposition ein.

Raymond Murray Schafer, der kanadische Zeitgenosse von Tormis, Penderecki und Pärt, weist in seinen Werken der 1960er-Jahre den Interpreten einen hohen Anteil an der Ausgestaltung seiner (graphisch notierten) Partituren zu - im Sinne einer Avantgarde, die auf unmittelbare Klangwirkung setzt.