Stand: 01.08.2011 12:00 Uhr

"Musik ist ein ureigenes Bedürfnis"

Christof Lauer und die NDR Bigband wurden für ihr Album "Petite Fleur" mit dem ECHO Jazz ausgezeichnet.

Was ist Ihr Antrieb als Musiker?

Christof Lauer: Im Grunde ist Musik für mich eine egoistisch angelegte Sache, weil sie aus meinem Inneren kommt und ein ureigenes Bedürfnis ist. In erster Linie mache ich Musik also zu meiner eigenen Befriedigung und für mein inneres Gleichgewicht. Ein gutes Gefühl kommt hinzu, wenn die Zuhörer meine Empfindungen verstehen und mit mir teilen.

Reizt die Möglichkeit, im Jazz Soli zu spielen, Ihr Ego besonders?

Lauer: Ich möchte eigentlich nur dann ein Solo spielen, wenn ich das Gefühl habe, dass es im Zusammenhang wirklich wesentlich ist. Soli zerschlagen oft die Einheit, den Bogen eines Stückes, weil sie nicht immer etwas mit dessen Grundidee zu tun haben. Da geht es nicht so sehr darum, als Musiker sein Ego mit einzubringen, sondern die passende Farbe zu treffen, und das empfinde ich als sehr schwierig. Leider passiert es viel zu häufig, dass es eben nicht passt.

Biografisches in Kürze

Jahrgang 1953, aufgewachsen in Frankfurt am Main, wo er bis heute lebt.

Instrumente: Tenor- und Sopran-Saxofon, Klarinette, Flöte

Im Alter von sechs Jahren erhielt er Klavier- und später Cello-Unterricht. Diese Instrumente studierte er am Konservatorium. Mit 18 wechselte er zum Tenorsaxofon. Seit 1979 ist er Mitglied im hr-Jazzensemble. 1990 kam sein erstes Album "Christof Lauer" heraus, mit Joachim Kühn, Palle Danielsson und Peter Erskine. Diese und folgende Produktionen erhielten den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, sein aktuelles Album mit der NDR Bigband "Petite Fleur" wurde 2015 mit dem ECHO Jazz ausgezeichnet.

Seit 1993 ist Christof Lauer festes Mitglied in der NDR Bigband.

Die Arbeit als Berufsmusiker besteht ja aus verschiedenen Tätigkeiten: Konzerte, Studioproduktionen, Tourneen. Was machen Sie am liebsten?

Lauer: Wenn ich ganz ehrlich bin: Mir gefällt im Rahmen der NDR Bigband die Studioarbeit am besten. Denn das ist meistens die konzentrierteste Arbeit.

Sie spielen seit 1993 fest in der NDR Bigband. Hat diese langjährige Arbeit ihre musikalische Weiterentwicklung gefördert?

Lauer: Das kann ich so nicht sagen. Es ist etwas völlig anderes, für die Bigband zu spielen, als in kleinen Besetzungen. Meine musikalische Entwicklung hat sicher maßgeblich in den Jahren stattgefunden die vor meiner Zeit in der Bigband liegen. Aber klar, es gibt immer Highlights, die einen musikalisch noch ein Stückchen weiterbringen, auch in der großen Bigband-Besetzung.

Da die Projekte hier von außen herangetragen werden, kann es passieren, dass man in der einen Woche eine Produktion himmelhoch jauchzend spielt, in der nächsten Woche eine andere dann zu Tode betrübt. Das sind so unterschiedliche Programme, dass es immer mal wieder Sachen gibt, die einem überhaupt nicht liegen, und andere, die sehr interessant sind.

Wie müssen musikalische Projekte denn beschaffen sein, um Ihr Interesse zu wecken?

Lauer: Das kann ich schwer beschreiben, es muss einfach alles zusammenpassen: die Komposition, das Zusammenspiel, das menschliche Miteinander. Hinzu kommt, dass das eigene Spielen sich ja auch ständig verändert, das ist ein nicht enden wollender Prozess. Also ist der Idealfall, dass auch meine jeweilige Art zu spielen zu einem Projekt passt und eingebracht werden kann.

Das Interview führte Jessica Schlage (2011).