Hamburg Ballett: Dernière "Liliom"

von Tobias Richtsteig

John Neumeiers "Liliom"-Choreografie mit dem Hamburg Ballett ist seit der Premiere 2013 auf anhaltend großes Publikumsinteresse gestoßen. Carsten Jung ist für seine brillante Darstellung in der Titelrolle bereits ausgezeichnet worden. Die NDR Bigband spielt seither die Musik zum Stück jeweils live.

Nach einer Gastspielreise in die USA Anfang Februar 2014 stand Anfang Juli die vorerst letzte Vorstellung auf dem Programm der Hamburgischen Staatsoper.

Liliom - Die Premiere in Hamburg

Do, 03.07.2014 | 19:30
Hamburg, Staatsoper

Michel Legrand (Musik)
John Neumeier (Choreografie, Kostüme, Inszenierung)
Ferdinand Wögerbauer (Bühnenbild)
Simon Hewett (Dirigent)
Philharmonisches Staatsorchester
NDR Bigband

"Liliom"
Ballettlegende von John Neumeier
in sieben Bildern und einem Prolog
frei nach Ferenc Molnár

Die aktuelle Besetzung entnehmen Sie bitte der Seite der Hamburgischen Staatsoper.

Ein poetisches Liebesdrama

Die Liebe ist eine Himmelsmacht. Als sich Liliom in Julie verliebt, lässt er alles hinter sich, am Ende gar sein Leben. Ferenc Molnars "Vorstadtlegende" fiel 1909, bei ihrer Uraufführung, beim Publikum durch - man hatte ein heiteres Volkstheater erwartet.

Und doch gehört die tragische Geschichte des Rummelplatzhelden Liliom, der die Wucht seiner Gefühle nicht fassen kann, in zahlreichen Theaterinszenierungen, Verfilmungen - wie 1934 von Fritz Lang - sogar in einer Musical-Fassung,  zu den großen Erzählungen der Weltliteratur.

Ein idealer Ballettstoff

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John Neumeier ist seit mehr als 35 Jahren Ballettdirektor der Staatsoper Hamburg.

Das Hamburg Ballett unter John Neumeier fügt der hundertjährigen Inszenierungsgeschichte von "Liliom" ein neues Kapitel hinzu. Sein Ballettstück hatte Anfang Dezember 2011 in der Hamburgischen Staatsoper Premiere. Das Publikumsinteresse ist ungebrochen, Vorstellungen sind ausverkauft. Auch Gastspiele andernorts fanden seither statt.

"Tanz ist für mich immer eine Kunstform gewesen, die die Beziehungen zwischen den Menschen zeigt, ihre Begegnungen, ihre Gegensätze und die daraus entstehenden Spannungen", gab John Neumeier 2003 dem britischen "ballet.magazine" zu Protokoll. Und er erklärte auch seine Motivation, immer wieder neue Stoffe für seine erzählenden Choreografien zu erschließen: "In einer Welt, die vom Krieg bedroht ist, können wir doch nicht junge Leute lediglich dazu ausbilden, die Märchen des 19. Jahrhunderts zu tanzen."

Eine Komposition nach Maß

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Michel Legrand komponierte auch die Filmmusik zu "Yentl" von und mit Barbra Streisand in der Hauptrolle, der 1983 in die Kinos kam.

Für Liliom hat das Hamburg Ballett einen legendären Musiker mit der Komposition beauftragt: Michel Legrand. Der 82-Jährige beendete 1952 sein Studium bei Nadia Boulanger und arrangierte noch im gleichen Jahr das Album "Dizzy Gillespie with Strings". 1958 konnte er für sein Album "Legrand Jazz" Sidemen wie Miles Davis, John Coltrane und den Pianisten Bill Evans engagieren.

Seit er in den 60er-Jahren in Kontakt mit den Regisseuren der Nouvelle Vague kam, schuf er über 200 Filmmusiken und erhielt seinen ersten Oscar für den Titelsong zu "Thomas Crown ist nicht zu fassen". Weitere, wie etwa für "Yentl" mit Barbra Streisand, sollten folgen. Neben der Filmmusik suchte Legrand immer neue Herausforderungen.

Michel Legrand: "Ich höre mir meine Aufnahmen nicht an. Ich will nicht in Versuchung kommen, alte Erfolge wiederholen zu wollen." Lieber arbeitet er daran, etwas Neues gelingen zu lassen.