Die Leipziger Buchmesse auf NDR Kultur
Das große Frühjahrsbetriebsfest der Literatur hat vieles zu bieten: Vor allem natürlich den Buchpreis, aber auch auch ein großes Lesefest und natürlich die lange Radionacht der Hörbücher. mehr
Zwei deutschsprachige Schriftsteller, ohne die unsere Literatur sehr viel ärmer wäre, feiern in diesem Monat einen runden Geburtstag. Da ist einmal der Schweizer Peter Bichsel, der am 24. März 75 wird, und da ist der gebürtige Hamburger Uwe Timm, der am 30. März seinen 70. Geburtstag feiert. Beide Schriftsteller zeichnen sich durch ihre Warmherzigkeit und ihren Humor aus.
Uwe Timm
Am Sonnabend, dem 20. März, ist Peter Bichsel mit den zwei transsibirischen Geschichten in "Die Sonnabendstory" zu hören. Eine Woche später liest Uwe Timm seine Erzählung "Der Mantel". Es ist die Geschichte einer alten Dame, deren kostbarster Besitz ein Pelzmantel ist. Nicht deshalb, weil er so viel wert ist, liebt sie ihn, sondern weil er das einzige Andenken an einen geliebten Mann ist. Uwe Timm, der in dieser Geschichte seiner Schwester ein Denkmal setzt, erzählt in wenigen klaren Strichen, was dieser Frau in ihrem bisherigen Leben und was ihr an diesem Tag in der Hamburger Innenstadt widerfahren ist. Darin liegt eine grimmige Ironie, die herzzerreißend wirkt.
Die amerikanische Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison hat im Februar ihren 79. Geburtstag gefeiert. Ihr neunter Roman "A Mercy", der 2008 im amerikanischen Original erschien und jetzt in der deutschen Übersetzung von Thomas Piltz unter dem Titel "Gnade" herauskommt, nimmt uns mit in die Anfänge der US-Geschichte: Im Jahr 1690 besteht der Haushalt eines weißen Farmers aus seiner aus England importierten Frau und einigen Gehilfen, die ihrerseits besitz- und rechtlos sind. Maren Kroymanns Lesung des Romans lässt das Schicksal jener Menschen, die nach Toni Morrisons Willen vor über dreihundert Jahren ihren Weg in die Zukunft gefunden haben, in all seiner Unerbittlichkeit lebendig werden. Zu hören ab dem 8. März in "Am Morgen vorgelesen" NDR Kultur.
Ab dem 29. März sollten sich Tolstoi-Liebhaber und natürlich auch alle, die Ulrich Noethens unvergleichliche Vorlesergaben schätzen, auf lange Zeit abends nach 22 Uhr nichts vornehmen. Jedenfalls nichts, was sie davon abhalten könnte, das dritte und vierte Buch des Romans "Krieg und Frieden" in weiteren 70 Folgen anzuhören. Das erste und zweite Buch waren bereits im vergangenen Frühjahr zu hören.