Kulturforum

Phasen einer Unternehmensgründung

Dienstag, 26. Januar 2016, 20:00 bis 21:00 Uhr

Bitwig © NDR/Jean-Claude Kuner Fotograf: Jean-Claude Kuner

"Start-Up" zum Nachhören

NDR Kultur -

Fünf von zehn Start-ups verschwinden so schnell wie sie gekommen sind. Jean-Claude Kuner hat die Phasen einer Unternehmensgründung begleitet.

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Im Start-up-Mekka Berlin machen sich 2009 vier junge Programmierer voller Enthusiasmus an die Unternehmungsgründung. Bitwig, eine neue Musik-Software, soll entstehen.

Von der Geschäftswelt haben sie wenig Ahnung, und schon bald kommt es zu unvorhergesehenen Hürden. Die Entwicklung dauert länger als geplant, das Geld droht auszugehen, während auf den internationalen Musikmessen bereits der Vertrieb angekurbelt wird. Auch privat gibt es Veränderungen. Vier Kinder werden geboren in eine finanziell ungewisse Zukunft ihrer Väter.

Ideen muss man haben!

Aus dem ursprünglich auf ein Jahr festgelegten Featureproduktion wurde eine fünfjährige Langzeitbeobachtung der Phasen einer Unternehmensgründung. Autor und Regisseur Jean-Claude Kuner erzählt von den Hintergründen.

NDR Kultur: Was war für Sie das Spannende an dieser Geschichte?

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Jean-Claude Kuner hat das Start-up "Bitwig" fast viereinhalb Jahre lang begleitet.

Jean-Claude Kuner: Gerade die Dauer. Die Macher waren ja überzeugt, dass sie nach einem Jahr mit der Musik-Software herauskommen würden. Es hat dann aber fast viereinhalb Jahre gedauert. Das Spannende daran war ja, dass sich gerade durch die Länge auch die Probleme, die junge Unternehmen, die mit einer neuen Idee auf den Markt gehen, aufgezeigt haben. Da gibt es ganz verschiedene Aspekte. Da gibt es einmal die inhaltliche Entwicklung, um sich von anderen, bereits existierenden Produkten zu unterscheiden. Aber das Wesentliche bei der Länge der Entwicklung sind dann doch die Kosten. Wie kann sich ein junges Unternehmen, das noch nichts produziert und verkauft finanzieren?

NDR Kultur: Worin bestand für Sie der Reiz, diese Entwicklung mit Mitteln des Radios zu erzählen?

Kuner: Das Schöne war, dass das Unternehmen eine Musiksoftware hergestellt hat, was natürlich mit Sounds und Musik vornehmlich zu tun hat. Da dachte ich: Wenn man die Geschichte eines Start-ups erzählt und auch gleich noch ein akustisches Medium zur Verfügung hat, dass das besonders schön ist.

NDR Kultur: In Ihrem Feature geben Sie sozusagen auch eine Anleitung für Firmengründer, indem Sie den Prozess in verschiedene Phasen einteilen.

*Business Angel

Als Business Angel bezeichnet man Personen, die sich sowohl mit Kapital als auch mit Know-how an jungen, innovativen Start-ups beteiligen. Business Angels stehen häufig am Anfang der Finanzierungskette. Dabei handelt es sich häufig um UnternehmerInnen oder erfolgreiche GründerInnen, die ihre Erfahrungen anderen Start-ups zur Verfügung stellen und sie beraten.

Kuner: Es fängt natürlich mit der Idee an. Hat man eine tragfähige, innovative Idee, die auf dem Markt Bestand haben kann? Das im Vorfeld zu untersuchen ist, glaube ich, schon einmal das Wesentliche. Teambildung ist ein weiterer Erfolgsfaktor. Ein Business Angel* sagte mir in einem Interview, dass es aus seiner Erfahrung kein einziges Start-up gibt, das nur durch eine Person geleistet wird. Das ist immer ein Team, was sich ergänzt. Schwächen und Stärken zu erkennen, und sich jemanden dazuholen, der Schwächen kompensiert, das ist wichtig.

NDR Kultur: Ist das, was man im Feature hört, nicht sehr entmutigend für junge Unternehmen?

Kuner: Das ist eine ganz große Diskussion. Wenn man sich die Zahlen anguckt, scheint es erst einmal deprimierend. Nur eines von zehn wird auch von der Investorenseite ein wirtschaftlicher Erfolg. Die Zahlen in Deutschland sind auch rückläufig, die Gründungen nehmen eher ab. Warum das so ist, hat zum einen mit der jetzigen Arbeitsmarktsituation zu tun. Start-up bedeutet in den ersten Jahren: wenig verdienen, wahnsinnig viel arbeiten und ungewisse Zukunft. Viele wählen da eher die Sicherheit.

NDR Kultur: Nun sind die Protagonisten Ihrer Sendung ja ausschließlich sehr jung. Ist das typisch für diese Art von Firmengründung?

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Bitwig hat eine Musiksoftware entwickelt.

Kuner: Jein. Es gibt ein ermitteltes Durchschnittsalter, das liegt bei 37 Jahren. Durchschnittlich liegen dann bereits 17 Jahre Arbeitserfahrung hinter den Gründern. Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele, aber ich denke, man kann besser in ein Start-up gehen, wenn man schon eine gewisse Erfahrung mitbringt und auch die Motivation hat, sich selbstständig zu machen. Die Befriedigung, wenn es glückt, ist, glaube ich, viel größer. Das ist auch bei Bitwig der Fall. Die wollten unbedingt ein Unternehmen schaffen, mit dem sie die nächsten 20 Jahre arbeiten können und es nicht weiterveräußern, um Gewinn daraus zu machen.

Von Jean-Claude Kuner
Produktion: NDR/RBB 2016 - Ursendung

 

Downloads
314 KB

Das Manuskript "Start-up"

02.02.2016 20:00 Uhr

Hier finden Sie das Manuskript zum Feature von Jean-Claude Kuner. Download (314 KB)

 

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