Sendedatum: 03.01.2014 15:20 Uhr

Islamismus: eine Frage der Definition

von Reiner Scholz

Religion oder Ideologie?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien nicht über gefährliche Islamisten berichten. Derzeit ist z.B. von über 220 deutschen Gotteskriegern die Rede, die in Syrien kämpfen. Immer wieder geht es dabei um die Frage, wie viele Islamisten eigentlich in Deutschland leben. Eine erste Auskunftsadresse ist der Verfassungsschutz. Doch der, so sagen Experten, schätzt deren Zahl viel zu hoch ein.

Islamismus bzw. Fundamentalismus

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Torsten Voß vom Verfassungsschutz versteht Islamismus als "Ideologie auf religiöser Basis"

"Historisch betrachtet ist es so, dass der Begriff des Islamismus eigentlich den Begriff des Fundamentalismus abgelöst hat", so der Hamburger Islamwissenschaftler Ali Özdil. Und heute sei durchgängig von Islamisten die Rede, wenn es sich um fundamentalistische Muslime handele. Mit der Frage, wer zu diesen gehört, beschäftigt sich unter anderem der Verfassungsschutz. Torsten Voss ist stellvertretender Leiter des Landesamtes in Hamburg. Er sagt: "Grundsätzlich unterscheiden wir einmal zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als Ideologie auf religiöser Basis. Islamisten sind für uns Menschen, die auf der Grundlage ihres Wertesystems und ihres Ordnungssystems, nämlich der Scharia, leben und nicht nur für sich leben, sondern auch nicht akzeptieren, dass andere anders leben. Islamisten haben das Ziel, ihre jeweilige Werteordnung dem jeweiligen Land aufzuzwingen."

Feinde der Demokratie?

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Islamisten verteilen in Hannover kostenlose Koran-Exemplare an Passanten.

Ein Islamist lehne die Demokratie ab und kämpfe für die Errichtung eines Gottesstaates. Für wie viele Muslime in Deutschland mag dies gelten? Der Verfassungsschutz spricht von etwa 40.000 Islamisten, davon seien aber nur etwa 2.500 gewaltbereit, so Thorsten Voss: "In den engeren Focus geraten für uns natürlich die Dschihadisten, die den weltweiten Terrorismus aktiv unterstützen. Daneben haben wir auch die sogenannten legalistischen Islamisten, aber auch die basieren auf der Werteordnung der Scharia. Nur, die gehen subtiler um mit dem Ziel, eine Werteordnung durchzuführen, die Scharia heißt. Aber hier muss man ganz klar unterschieden, dass die legalistischen Islamisten insbesondere durch feinfühlige Vorgehensweise, durch Schulungen von Jugendlichen, von Kindern diese Doktrin dem Nachwuchs beibringen wollen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 03.01.2014 | 15:20 Uhr