Stand: 04.08.2017 18:23 Uhr

Eine poetische Alltagskorrespondenz

von Ulrike Sárkány

Zsuzsa Bánk, die Frankfurter Schriftstellerin mit ungarischen Wurzeln, versteht ihre Leser und Leserinnen auf ganz eigene Weise zu fesseln. Ihr neuer Roman "Schlafen werden wir später" ist wieder ein Bestseller geworden: eine Korrespondenz zwischen zwei Freundinnen, ein E-Mail-Roman.

Die Bücher von Zsuzsa Bánk

"Liebste Johanna, heute Morgen hat Simon beim ersten frühen, viel zu frühen Kaffee gesagt, wäre er zehn Jahre jünger und hätte drei Kinder weniger, hätte er mich schon verlassen." Leseprobe

Es sind die üblichen Probleme in der Mitte des Lebens, die die Schriftstellerin Márta Horváth und die Lehrerin Johanna Messner, seit frühster Jugend eng befreundet, miteinander austauschen.

"Liebste Márta, Simon wird seine Koffer und Taschen nicht packen. So viele andere Leben warten schließlich nicht auf ihn. Auf uns ja auch nicht, Marti." Leseprobe

Anna Thalbach und Ulrike Hübschmann leihen den beiden Ich-Erzählerinnen ihre Stimmen. Wenn man Zsuzsa Bánk fragt, warum sie diese altmodische Form des Briefromans gewählt hat, ist die Antwort ganz klar: "Weil er vieles erlaubt, weil er eine Intimität, eine Privatheit, eine Innenschau erlaubt, die in einem anders erzählten Roman so nicht möglich ist."

Die Lesung

Anna Thalbach und Ulrike Hübschmann lesen Zsuzsa Bánk

Am Morgen vorgelesen

Die zwei Freundinnen, die sich in Zsuzsa Bánks Briefroman "Schlafen werden wir später" E-Mails schreiben, leiden an Schlafmangel. Anna Thalbach und Ulrike Hübschmann geben den beiden ihre Stimme. mehr

Márta, unschwer als das Alter Ego der Autorin zu erkennen, möchte ein neues Buch fertigschreiben, aber ihre drei Kinder beanspruchen ihre Zeit. Johanna, die Krebs hatte und von ihrem Freund verlassen wurde, ist die philosophischere.

"Dieses Leben, Márta, da liegt es also vor uns, und was fangen wir zwei nun wirklich damit an?" "Schlafen werde ich später einmal, wenn ich alt bin, werde ich schlafen, Johanna, Nacht und Tag, so viel ich will." Leseprobe

Es gibt nichts, was zurückgehalten wird, und jedes Gefühl wird erzählt. Die Sprache ist auch hoch emotional, die von Márta jedenfalls, Johanna vielleicht etwas zurückgenommener.

Das Buch

Die Offenheit zweier kluger Frauen

Zwei Frauen und ihre alltaglichen kleinen und großen Probleme. Zsuzsa Bánks Briefroman "Schlafen werden wir später" erzählt den Alltag aus zwei Blickwinkeln. mehr

Sie dürfen Wörter selbst erfinden - was Márta auch ständig macht -, es gibt Wortaneinanderreihungen, es gibt Wortschöpfungen, sie haben ihren eigenen Code, sie dürfen Bilder benutzen, Metaphern benutzen. Auch diese Lautsprache, diese Comicsprache - peng, zisch, klatsch -, das geht in einem andern Roman nicht, und hier, in dieser Form, ist das alles möglich. Ein Meisterstück, wie hier der Alltag poetisch ausgeleuchtet wird - und keineswegs nur für das weibliche Publikum ein Genuss!

"Aber schlafen werden wir später einmal, wenn wir tot sind vielleicht." Leseprobe

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 07.08.2017 | 07:40 Uhr