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Dan Brown hat nach dreieinhalb Jahren wieder einen Thriller vorgelegt. (Archivbild)
"Die Zeit drängt! Suche und finde!" Das ist Robert Langdons Auftrag im neuen Dan-Brown-Roman "Inferno", der am Dienstag weltweit in den Handel gekommen ist. Nicht, dass uns das besonders verwundern müsste, denn der Held der Romane "Illuminati", "Sakrileg" und "Das verlorene Symbol" hat jedes Mal diesen Auftrag. Durch seine phänomenalen Kenntnisse als "Symbologe" mit Harvard-Professur ist er in der Lage, komplizierte Rätsel zu lösen und die Welt zu retten. Ob ihm das auch diesmal wieder gelingt, weiß Literatur-Expertin Ulrike Sárkány, die die 688 Seiten innerhalb eines halben Tages durchgelesen hat.
Für die Verlage ist "Inferno" das Buch des Jahres.
Es beginnt mit einem geschickten erzählerischen Winkelzug des Autors Dan Brown. Robert Langdon erwacht in einem Krankenhaus in Florenz, mit einem Streifschuss am Kopf, und kann sich an nichts erinnern, was ihm geschehen sein mag, seit er zuletzt in Boston über den Campus schlenderte. Bis er herausgefunden hat, was er tags zuvor alles schon wusste, ist der halbe Roman - und etwa ein Tag der erzählten Zeit - vergangen. Im Krankenhaus begegnet ihm zum Glück auch gleich die charismatische junge Ärztin, ohne die er die folgenden Abenteuer nie lebend überstehen würde.
1998: "Digital Fortress" (deutsch: Diabolus, 2005): Browns erster Krimi thematisiert die Sicherheit im Internet.
2000: "Angels & Demons" (Illuminati, 2003): Der Thriller um den Plan eines geheimen Ordens, den Vatikan zu zerstören, wurde mit Tom Hanks in der Titelrolle verfilmt.
2001: "Deception Point" (Meteor, 2003): Ein politischer Krimi um angeblich außerirdisches Leben in der amerikanischen Arktis.
2003: "The Da Vinci Code" (Sakrileg, 2004): Der Bestseller über Verschwörungstheorien um das Leben Jesu wurde auch ein Kino-Welterfolg.
2009: "The Lost Symbol" (Das verlorene Symbol, 2009): Der Thriller thematisiert anhand versteckter Zeichen in Washington Legenden um den Bund der Freimaurer.
2013: Der Thriller "Inferno" erscheint weltweit am selben Tag.
Sienna Brooks stammt aus England, hat einen IQ von 208 und kann sich an Dantes "Göttliche Komödie" nicht mehr in allen Einzelheiten erinnern, weil sie sie schon mit sieben gelesen hat. Warum sie unter ihrer Pferdeschwanz-Perücke eine Glatze hat, wird erst relativ spät aufgeklärt, und ob sie eigentlich zu den Guten gehört oder nicht, bleibt erst recht unklar. Das gilt allerdings auch für einige andere Figuren in diesem hochkomplexen Mysterienspiel. Die bei Dan Brown unvermeidliche geheime Bruderschaft heißt diesmal „Konsortium“ und wird von einem sogenannten Provost von einer stattlichen Yacht aus geleitet.
"Sie sind an Bord meines Schiffes, der Mendacium", sagte der braungebrannte kleine Mann. "Mendacium?«" fragte Langdon. "Der lateinische Name für Pseudologos?" Der Mann schien beeindruckt. "Nicht viele Menschen wissen das." Kein besonders nobler Name, dachte Langdon. Mendacium war eine schattenhafte Gottheit, die über die Pseudologii herrschte, jene Dämonen, die auf Täuschung und Lüge spezialisiert waren."
(Ausschnitt aus "Inferno")
Täuschungen und Lügen gibt es haufenweise aufzudecken für den smarten Professor Robert Langdon, der diesmal sein Tweedjacket gegen einen Brioni-Anzug einzutauschen gezwungen ist. Von den 104 Kapiteln spielen die ersten 62 in Florenz, die nächsten 21 in Venedig, die restlichen 21 in Istanbul. Im Mittelpunkt der Entschlüsselungen steht diesmal Dante Alighieris "Inferno", der Text über die Reise in die Unterwelt, sowie die bildlichen Darstellungen, zu denen sich Künstler davon inspirieren ließen. Im Versunkenen Palast in Istanbul wird Franz Liszts Dante-Symphonie aufgeführt.
Ein kostenloses Konzert, zu dem Tausende kommen – eine perfekte Gelegenheit, um einen Seuchenkeim zu verbreiten. Denn das, stellt sich heraus, ist die Mission: Langdon soll, zusammen mit der Chefin der Weltgesundheitsorganisation WHO, den Plan eines Wissenschaftlers vereiteln, dem Problem der Überbevölkerung mit einer weltweiten Epidemie zu begegnen.
Mehrfach wird in diesem Roman betont, wie groß die Gefahr für die Menschheit ist, schon in kürzester Zeit durch die Bevölkerungsexplosion qualvoll zugrunde zu gehen.
Dass Dan Brown die realen Sorgen um die Zukunft des Planeten unter die vorwiegend unterhaltenden Zutaten seines fiktiven Thriller-Geschehens mischt und sogar so weit geht, eine Problemlösung anzudeuten, erzeugt am Ende der aufregenden Schnitzeljagd Rätselraten über die Motive des Autors und - echtes Unbehagen.