Sendungen von NDR Kultur als Podcast
Beiträge vergangener Sendungen im Audio-Abonnement mehr
Eine Sendereihe von Margarete Zander
Wir erleben Lars Vogt beim Musizieren bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern im kleinen hübschen Theater in Putbus.
"Natürlich ist es hilfreich, wenn ein Kind grundsätzlich mit dem Gefühl aufwächst, dass es willkommen ist und dass es gute Dinge bewegen kann und dass es auch verrückte Sachen träumen kann - dass man aber auch Hindernisse überwinden muss", sagt Lars Vogt. "Ich sehe, dass es Immer schwieriger wird in diesem medialen Zeitalter. Dass sich Erfolg nicht sofort einstellt, dass man auch manchmal Geduld braucht."

In einer weiteren Ausgabe der Reihe treffen wir den Pianisten Lars Vogt - bei den Festspielen MV mit seinem erfolgreichen Schulprojekt "Rhapsody In School" und in Leipzig.
Der Pianist macht das an einem Beispiel deutlich: "Ich habe früher auch mal Computerspiele gespielt. Aber diese Spielkonsolen heute, die vermitteln so einen Dauereindruck von 'ich muss mich zwei Minuten mit einer Sache beschäftigen und dann kann ich es ganz toll - und dann bekomme ich einen Riesenapplaus und wahnsinnig viele Punkte dafür und bin schon ganz super.' Das ist meiner Ansicht nach etwas latent Ungesundes, was sich im Bewusstsein niederschlägt: Ich brauche keinen Widerstand zu überwinden. Wenn man ein Instrument spielt, bekommt man natürlich dauernd Widerstand." Lars Vogt sieht, dass das - nicht nur bezogen auf Musik – fatale Folgen haben kann: "Man schließt: 'Ich bin eben schlecht darin' und hört auf. Dabei muss das gar nicht stimmen und wird man so vielleicht nie sein Talent entdecken."
Lars Vogt wurde relativ streng erzogen. In einer Familie "die mit Musik nichts am Hut hatte". Aber seine Mutter hielt ihn zum Üben an. Er hat gekämpft, sich manche Freiheiten genommen, aber heute ist er dankbar für den leichten Druck, mit dem sie ihn immer wieder geschoben hat.
Im Video-Interview verrät der Pianist Lars Vogt, dass ihm eine Sache etwas peinlich ist. Welche das ist, sehen und hören Sie hier.
Mit Anfang 20 hat er den Durchbruch als Pianist. Da wurde er von Simon Rattle entdeckt. "Er verströmt Poesie" sagte der Chef der Berliner Philharmoniker, der damals noch in Birmingham dirigierte. Der 1970 in Düren geborene Lars Vogt macht wenig Aufsehen um sich als Person und ist doch international präsent. "Ein Glücksfall", erklärt Simon Rattle und die beiden telefonieren noch heute gern miteinander. Worüber Sie reden? Lars Vogt verrät es uns, denn es ist bald kein Geheimnis mehr, dass er neue Pläne hat. Er spürt schon lange, er kann andere Musiker und das Publikum in Bewegung bringen. Seine Kammermusiktreffen in Heimbach sind legendär. Wir treffen ihn bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern mit seinem erfolgreichen Schulprojekt "Rhapsody In School" und im Leipziger Gewandhaus in der Garderobe, wo er sich für Griegs Klavierkonzert einspielt.
Wir erleben ihn beim Musizieren bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern im kleinen hübschen Theater in Putbus. Lars Vogt als Ruhepol und Unruhestifter zugleich, er strahlte Sicherheit aus und forderte Fantasie und Freiheit. Wie ein guter Dirigent? Dieses Hobby könnte sich ausweiten, man spürt diese Stärke in den Kammermusikproben, und es gibt exzellente Vorbilder und Unterstützer. Wenn er lehrt, spricht er wie sein großer Klavierlehrer Karl-Heinz Kämmerling (1930-2012) vom "Strom" der Musik. Lars Vogt zieht die Hörer in seinen Bann, durch seine Natürlichkeit, sein offenes Lachen und seine tiefe Poesie.