Hinter die Kulissen geschaut
NDR Kultur schaut auf die andere Seite des Vorhangs.
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Seit fast 20 Jahren begleitet Peter Ganz das SHMF am Eingang.
Peter Ganz öffnet das Gittertor und lässt den Wagen durch, der frische Getränke für die Bar bringt. Er bewacht den Hintereingang des Festivalgeländes der Jazz Baltica. Und da kommt nicht nur der Nachschub an, auch Künstler wollen hinein, Journalisten oder neugierige Zuschauer.
Der 62jährige mit dem sonnenverbrannten, zerfurchten Gesicht lässt ein oder weist ab. Stets freundlich, aber bestimmt. Nicht nur beim Jazz Baltica regelt Peter Ganz die Zuschauerströme. Seit beinahe 20 Jahren organisiert Ganz den Einlass beim SHMF. Und wenn er am Haupteingang steht, braucht der Zuschauer seine Karte eigentlich gar nicht mehr vorzuweisen. Seine Erfahrung sagt ihm genau, mit wem er es zu tun hat: "Bei einigen merke ich schon an der Art, dass etwas nicht stimmt."
"Hast du noch Strapse und nen Seitenschneider?" Ein Kollege benötigt Kabelbinder, "Strapse" genannt, für die Bühne. Die hat Peter Ganz einst für Guildo Horn aufgebaut, ist mit dem Grand-Prix-Barden durch Schleswig-Holstein getourt. Klassik ist weniger seins, aber als er den Saal für Sopranistin Jessye Norman abgeriegelt hat, war er beeindruckt. Da waren nur sie, ihr Pianist und Peter Ganz. Mehr durften nicht im Saal sein; und dann fing Jessye Norman an zu singen, ein kleines Solokonzert. Für solche besonderen Augenblicke arbeitet er an Konzertwochenenden häufig 20 Stunden am Stück.
Während der Festivalsaison kann Peter Glanz die schöne Umgebung des Jazz Balticas nicht genießen - dann hat auch er Hochsaison.
Reich wird er mit dem Job nicht. Und meistens hört er die Musik nur von ferne. Hinten an seinem Seitentor. Aber er hat sie, die Begegnungen mit Künstlern, denen sonst niemand so nahe kommt. Am Vorabend hat er für Jazz-Pianist Herbie Hancock das Tor geöffnet. Der sollte, so die Absprache mit dem Fernsehen, auf die Mitte des Platzes fahren, dort beim Aussteigen gefilmt werden. Und dass dies reibungslos vonstatten ging, ist eben auch Peter Ganz zu verdanken.