Die Gewalten eines Jahres

Ulrich Wickert im Gespräch mit Clemens Meyer

Als Clemens Meyer im Jahr 2006 seinen Debütroman "Als wir träumten" vorgelegt hat, erregte er weithin Aufsehen und Staunen: Da erzählte ein junger Mann so furios, so fulminant vom Kämpfen und Träumen in Leipzig-Südost, dass die Kritiker eine neue literarische Hoffnung geboren sahen. Der zwei Jahre danach erschienene Erzählband "Die Nacht, die Lichter" wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Jetzt erscheint "Gewalten. Ein Tagebuch" - "und dafür", sagt Ulrich Wickert, "hätte Clemens Meyer gleich den nächsten Preis verdient!"

Ein Tagebuch

Ulrich Wickert und Clemens Meyer. © NDR Online Fotograf: Mathias Heller Detailansicht des Bildes Ulrich Wickert und Clemens Meyer Der Schriftsteller sollte und wollte Tagebuch schreiben - und veröffentlichen. "Aber ich wollte nicht notieren, wo ich essen war und welche Verdauungsprobleme ich anschließend hatte", sagt Meyer. "Es ist ein literarisches Tagebuch, mit dem ich einen Kosmos erzeugen wollte, einen Abriss des Jahres 2009, der die Gewalten zeigen soll, denen die Menschen in diesem Jahr unterworfen waren." Die Perspektive ist immer die eines Mannes namens Clemens Meyer; eines Mannes, der um seinen verstorbenen Hund trauert und sich vorstellt, ein Amokläufer zu sein; eines Mannes, der auf einen Fall von Kinderschändung in seiner Nachbarschaft guckt und in der Psychiatrie landet. "In dieses Buch habe ich alles, was ich an physischer und psychischer Kraft hatte, hineingesteckt. Danach war ich erst einmal am Ende", so Meyer.

Für immer Leipzig

In Halle an der Saale wurde Meyer 1977 geboren, aber er sieht sich durch und durch als Leipziger: Dort ist er aufgewachsen, dort war er zweimal im Jugendarrest, dort studierte er am Deutschen Literaturinstitut, als Wachmann und Gabelstaplerfahrer finanzierte er sich dort das Studium, dort hat er seinen ersten Roman angesiedelt, dort lebt er auch heute noch - und "dort werde ich bis ans Ende meiner Tage mindestens ein Zimmer haben", sagt er.

Über das Leipzig, die Literatur und die Laster des Clemens Meyer spricht Ulrich Wickert mit dem Autor in der Sendung Wickerts Bücher auf NDR Kultur.

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junge Frau hört mit einem iPod Musik © picture-alliance/dpa-Report Fotograf: Gero Breloer
 

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Buch-Tipp

Gewalten - Ein Tagebuch

von Clemens Meyer
Fischer Verlag
192 Seiten
ISBN: 978310048603
Preis: 16,95 Euro