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Wurde 2005 durch ihren Debütroman "Vienna" berühmt: Eva Menasse.
Die Chemie eignet sich, wie es scheint, sehr gut für literarische Metaphern: "Als Goethe zum Titel 'Wahlverwandtschaften' griff, war das ja auch eine Bezeichnung aus der Chemie. Und mir schien nun der Begriff 'Quasikristalle' naheliegend als Metapher für meinen neuen Roman", erklärt die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse.
Ein Kristall mit einem nicht-symmetrischen Muster - als ein solches Quasikristall hat man sich also das Leben einer Frau namens Xane Molin vorzustellen; jedenfalls dann, wenn man es aus den verschiedensten Perspektiven betrachtet. Genau das ist nämlich Menasses Versuchsanordnung: herauszufinden, wie sich ein Mensch unter den Blicken seiner Umwelt verändert und in wie viele Rollen er im Laufe seines Lebens zerfällt. "Niemandes Leben verläuft symmetrisch, das wollte ich am Beispiel von Xane zeigen", sagt die Autorin.
Eva Menasse, 1970 in Wien geboren als Tochter des ehemaligen österreichischen Fußball-Nationalspielers Hans Menasse, machte sich erstmals als junge Journalistin einen Namen, als sie 1999/2000 für das Feuilleton der "FAZ" den Londoner Prozess gegen den Holocaust-Leugner David Irving verfolgte. In der Welt der Literatur erregte sie 2005 Aufsehen mit ihrem fulminanten Roman "Vienna", der autobiografisch geprägten Geschichte einer jüdischen Familie zwischen Verfolgung und Anpassung.
Seit 2003 lebt Menasse mit ihren Kindern und ihrem Mann, dem Romancier Michael Kumpfmüller, in Berlin. Warum sie diese Stadt als perfektes "Asyl" für Österreicher empfindet, wie zwei Künstler zusammenleben können und mit welchem Blick sie selbst auf ihre neue Romanheldin schaut - darüber spricht Ulrich Wickert ausführlich mit Eva Menasse.