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Plädiert für ein noch stärkeres Europa: der ungarische Schriftsteller György Konrád.
Was ist das große, das hochheilige Versprechen der Europäischen Union? "Dass wir im gesamten europäischen Raum Rechtsgleichheit genießen, unbehelligt arbeiten, kommen und gehen können", schwärmt ein bedeutender Europäer, der ungarische Schriftsteller György Konrád.
Was ist die Realität? "Ruchlosigkeiten, kleinkarierte Lieblosigkeiten, Versäumnisse" in den Nationalstaaten, besonders denen im Osten. In seinem neuen Buch "Europa und die Nationalstaaten" prangert Konrád eine gefährliche Entwicklung an: die der zunehmenden Entdemokratisierung von Ländern wie Ungarn oder Rumänien im Schatten der Finanz- und Währungskrise. Er plädiert für ein noch stärkeres Europa: "Ich würde mich freuen,wenn die europäische Assoziation die Macht der nationalen politischen Führer sowohl von oben als auch von unten beschnitte. Für eine längere Periode möchte ich die Geschichte meiner Heimat nicht mit dem Gütesiegel einer einzigen Person versehen wissen."
György Konrád, 1933 in eine jüdische Familie hineingeboren, die die deutsche Vernichtungspolitik am Ende des Zweiten Weltkriegs mit knapper Not überleben sollte, ist heute einer der schärfsten Kritiker der umstrittenen, rechtspopulistischen Regierung Orbán in seinem Heimatland. "In Orbáns Fidesz stehen wir einer Staatspartei gegenüber, die ein europafeindliches EU-Mitglied, einen undemokratischen Parteienstaat geschaffen hat, in dem es kracht und ächzt", sagt der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, der von 1997 bis 2003 Präsident der Akademie der Künste in Berlin war.
Was kann nun Europa tun? Und wie weit darf Europa überhaupt gehen? Darüber diskutiert Ulrich Wickert ausführlich mit György Konrád.