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Die Intendantin und Generalmusikdirektorin der Hamburger Staatsoper Simone Young wird im Frühjahr unter dem Motto: "Wagner-Wahn" die zehn Hauptwerke des deutschen Dirigenten rund um dessen 200.Geburtstag dirigieren. Zum Einstand in das Wagnerjahr 2013 dirigierte sie am 13. Januar "Rienzi, der letzte der Tribunen" in der Laeiszhalle.
Tenor Andreas Schager singt den Rienzi in der Hamburger Premiere.
Mit Andreas Schager präsentierte die Staatsoper Hamburg einen sehr jungen Heldentenor, der erst seit kurzem die großen Partien wie Beethovens Florestan, Webers Max oder Wagners Siegfried und Rienzi singt. In bedeutenden Opernhäusern sprang er bereits als Rienzi ein, so in Berlin und Madrid.
Opulente Chorszenen, Leidenschaft, verführerische Melodien – und die pseudoreligiöse Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Heils verkündenden Helden. Gefährliches Potenzial "tickt" in Richard Wagners "Rienzi" wie eine Bombe. Adolf Hitler sah in dem Stück "die Zukunft des deutschen Volkes" entwickelt und erkor es zu seiner Lieblingsoper. Der faschistoide Sprengstoff ist nicht wegzudiskutieren, auch wenn Wagner selbst sich von seinem Jugendwerk distanzierte.
Seit dem "Fliegenden Holländer" interessierte sich Wagner für andere Helden und vor allem entwickelte er eine viel subtilere psychologische Musiksprache als im überwiegend noch sehr vordergründig-plakativen "Rienzi". So mancher Regisseur scheiterte an "Rienzi".
Die Intendantin der Hamburger Staatsoper Simone Young.
So ging die Hamburgische Opernintendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young kein Risiko ein und brachte zum Wagner-Jahr 2013 das Stück konzertant heraus.
Doch so einfach war die Sache nicht. Simone Young ist eine Dirigentin mit theater-musikalischem Instinkt; die vielen klang-gewaltigen, gefährlich ins Martialische tendierenden Abschnitte in "Rienzi" kostete sie voll aus. Das hatte ohne Zweifel seinen Effekt. Das Problem war, dass allzu oft eine Balancierung des Klangs fehlte. Manche Solisten kämpften gegen die geballte Orchester-Macht, die ja in der Hamburger Laeiszhalle direkt vom Podium kommt, und nicht etwas weniger gewaltig aus dem Orchester-Graben wie im Opernhaus. Simone Young musizierte mit viel zu Druck und viel zu wenig belcantistischem Feinsinn. Und gerade der wäre für den noch nicht ausgereiften "Rienzi" nötig gewesen. Dauer-Dampf bekommt dem Stück nicht.
Sängerisch konnte sich dieser konzertante Hamburger "Rienzi" hören lassen. Ricarda Merbeth als Irene, die sich aufopfernde Schwester Rienzis, sang die Partie mit beeindruckender hochdramatischer Wucht. Faszinierender, berührender noch Mezzosopranistin Katja Pieweck in der Hosenrolle des Adriano, der Irene liebt und sie vor dem Untergang mit Rienzi bewahren will. Phänomenal der österreichische Tenor Andreas Schlager als Rienzi, der die kraftraubende Partie mühelos sang, dem man ein sensibler geführtes Orchester zur stärkeren Entfaltung seiner lyrischen Facetten gewünscht hätte.
Cola Rienzi: Andreas Schager
Irene: Ricarda Merbeth
Steffano Colonna: Wilhelm Schwinghammer
Adriano: Katja Pieweck
Paolo Orsini: Eike Wilm Schulte
Raimondo Orvieto: Adrian Sâmpetrean
Baroncelli: Peter Galliard
Cecco del Vecchio: Moritz Gogg
Ein Friedensbote: Solen Mainguené
Chor der Staatsoper Hamburg
Philharmoniker Hamburg Ltg.: Simone Young