Klassik à la carte
In der Sendung kommen Menschen zu Wort, die etwas zu sagen haben. mehr
Jesco von Puttkamer spricht auf NDR Kultur über die Vergangenheit und Zukunft der internationalen Raumfahrt.
"Eine Welt voller Rätsel und Wunder", so nennt Jesco von Puttkamer den Roten Planeten in seinem neuen Buch "Projekt Mars - Menschheitstraum und Zukunftsvision". Von Puttkamer ist ein leidenschaftlicher Fürsprecher der bemannten Mars-Erkundung und er scheut nicht davor zurück, im Mars die Möglichkeit für eine zweite Heimat der Menschen zu sehen. Ein halbes Jahrhundert arbeitet der Maschinenbau-Ingenieur bereits für die Luft- und Raumfahrtbehörde der USA, er hat alle Höhen und Tiefen der US-amerikanischen Weltraumforschung vom Boden aus begleitet: die Apollo-Mission zum Mond nach den Plänen Wernher von Brauns, die Abstürze der "Challenger" und der "Columbia", den Betrieb der Internationalen Space Station (ISS).
Die Weltraumforschung befindet sich in einer Umbruchphase, mehr denn je werden ihre gigantischen Kosten hinterfragt. Zugleich gibt es inzwischen ganz besondere Trips ins All für besonders zahlungskräftige Touristen. NASA-Veteran Jesco von Puttkamer schaut optimistisch in die Zukunft: Die erste bemannte Mars-Mission, die in etwa 20 Jahren stattfinden könnte, hat für ihn "das Potenzial, uns zu vormals undenkbaren Horizonten" zu führen.
1933 wurde Jesco Freiherr von Puttkamer in Leipzig geboren, in der Schweiz wuchs er auf und in Aachen studierte er Maschinenbau. Das Studium soll er sich mit dem Schreiben von Science-Fiction-Romanen finanziert haben, aber er wollte sich Raumschiffe nicht nur in Gedanken ausmalen, er wollte sie konstruieren. Und so schrieb er Wernher von Braun, dem Raketeningenieur, der für die Nazi-Führung die erste Flüssigkeitsrakete entwickelte und seine Forschungen später in den Dienst der US-amerikanischen Raumfahrt stellte. "Gehen Sie nicht in die Industrie. Kommen Sie nach Huntsville. Wir fliegen zum Mond", soll ihm Wernher von Braun 1961 geschrieben haben, und von Puttkamer zögerte nicht. In Huntsville, Alabama arbeitete er am Apollo-Mondlandeprogramm der NASA mit.
Inzwischen gilt er als dienstältester Beschäftigter der US-Luft- und Raumfahrtbehörde und war dort zuletzt Programm-Manager der ISS und dort insbesondere für den russischen Sektor zuständig. "Allein können wir niemals zum Mars fliegen, das schaffen wir nur als Völkergemeinschaft", sagt von Puttkamer, der mehrfach für sein Engagement ausgezeichnet und nach dem auch ein Kleinplanet zwischen Mars und Jupiter benannt wurde.
Computeranimation der möglichen Marslandung am 6. August 2012.
"Der Mensch im Weltraum, eine Notwendigkeit", der Titel eines seiner Sachbücher kann als Lebensmotto von Puttkamers verstanden werden. In Klassik à la carte spricht er über seine Hoffnungen auf eine Mars-Mission, über die Vergangenheit und Zukunft der internationalen Raumfahrt.