Chronos
David Orlowsky gehört zu den vielseitigsten Klarinettisten, die derzeit unterwegs sind. Mit seinem Trio bewegt er sich virtuos zwischen musikalischen Genres und Epochen. mehr
Am 13. Oktober 2011 gastierte das Trio David Orlowsky in der Kunsthalle Rostock - ihr Motto: "Klassik ohne Grenzen".
Die ECHO-Preisträger Florian Dohrmann (Bass), Jens Uwe Popp (Gitarre) und der Klarinettist David Orlowsky
Die Kunst musste gestern raus aus dem Skulpturensaal der Rostocker Kunsthalle, damit die Töne und die 150 Zuhörer hineinpassten. Und schnell war klar: Die Musik des David Orlowsky Trios umhüllt die Zuhörer manchmal wie ein weiche schmeichelnde Decke und manchmal da zuckt und ruckt es in Fuß und Hand und schließlich im ganzen Körper.
Das Stück heißt Sababa. Das ist hebräischer Slang für: super, cool! Diese Melodie ist mir im Treppenhaus eingefallen, als ich nach Hause gekommen bin. Und ich hab sie auf mein Handy gepfiffen, wie ich eigentlich alles auf mein Handy pfeif, was mir einfällt. Ja, aber wie sieht ihr Treppenhaus aus, dass Ihnen sowas einfällt? Es ist ein Berliner Treppenhaus mit allem, was dazugehört, mit allen Dreck und allen Müllsäcken, die die Leute immer vor ihre Türen stellen und dann drei Tage später erst runter bringen, also so ungefähr. Wenn das dabei rauskommt, lassen Sie bloß ihren Müll stehen!
Ein hellwacher, plaudernder Moderator Ludwig Hartmann und auf der Bühne das Trio mit Kontrabass, Gitarre und Klarinette. Bereits seit 15 Jahren spielen die drei Musiker gemeinsam. Und obwohl die Klarinette mal melancholisch, mal frech und durchdringend klingt, gelingt den Dreien ein Zusammenspiel, das nie nur einen Star hat. Der Klarinettist David Orlowsky:
Das einzige Instrument, was es da manchmal ein bisschen schwer hat, ist die Gitarre. Rein anatomisch ist es nicht möglich, darauf so laut zu spielen, wie ich das kann oder Florian das kann. Das ist aber wirklich das einzige und sonst denke ich wirklich, wenn jeder mit offenen Ohren spielt und darum geht’s ja, ist das keine wirkliche Gefahr. Meine Oma hat ja immer gesagt: Musik machen ist hören. Und wenn man das tut, hört man ja: wenn man den anderen nicht mehr hört, dann spielt man eigentlich zu laut.
Nach 2008 gewann David Orlowsky auch 2011 einen ECHO Klassik - allerdings nicht mit seinem Trio, sondern dem Vokalensemble Singer Pur.
Ein bisschen Klezmer und ein bisschen Jazz, hier und da Popanklänge und dann wieder Folklore aus aller Welt – der Stilmix des David Orlowsky Trios begeisterte gestern in der Rostocker Kunsthalle. Sie machen "Kammerweltmusik" - diesen Begriff haben sie selbst erfunden und sitzen mitunter zwischen allen Stühlen.
Man macht es sich natürlich nicht einfach, in dem man sich diesen Genreschubladen entzieht, aber auf der anderen Seite wär´s ja auch nicht wirklich ehrlich zu sagen: hier kommt die neue Greatest- Hits-Klezmer- Band. Das stimmt ja einfach nicht.
Gestern Abend stimmte alles - fand das Publikum. Und nach mehreren Zugaben und nach viel Applaus sah man den einen oder andern tänzelnd nach Hause gehen, die CD des David Orlowsky Trios erwartungsvoll in der Hand.
Wir hätten beide fast losgetanzt, ne? Die Stille nach dem letzten Lied, das war bei mir die Magie. Hier war alles: hier war Gefühl, hier war Seele, Musikalität in hohem Maße. Die Seele hat getanzt.