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Ein Startenor aus Polen – da fällt vielen Kennern wohl sofort Jan Kiepura ein, der weltweit gefeierte Opernstar der 1920er- und 30er-Jahre, nach dem sogar ein Nachtzug der polnischen Staatsbahn benannt ist. Auf vielleicht bestem Wege zur Zug-Benennung befindet sich mittlerweile auch der 46 Jahre alte lyrische Tenor Piotr Beczala. Er ist gleichermaßen an der Mailänder Scala und an der New Yorker Metropolitan Opera zu Hause. Am 27. Mai machte Beczala Station beim NDR Kultur Foyerkonzert im Kleinen Sendesaal des NDR Landesfunkhauses in Hannover.
Im Gepäck und im Programm hatte er seine neue CD "Mein ganzes Herz" mit den größten Erfolgen einer weiteren Tenor-Legende der 1920er- und 30er-Jahre: Richard Tauber. Arien wie "Dein ist mein ganzes Herz", "Gern hab‘ ich die Frau‘n geküsst" oder "Ich küsse Ihre Hand, Madame" hat Beczala für die CD mit Original-Mikrophonen aus der Zeit eingesungen. Bevor er dieses Programm im Juli 2013 in Linz bei "Klassik am Dom" singen und anschließend im August bei den Salzburger Festspielen auftreten wird, nahm er sich die Zeit für einen Abstecher zu NDR Kultur.
Piotr Beczala ist in diesem Jahr an der Metropolitan Opera in New York in der Verdi-Oper "Rigoletto" zu sehen.
Eine Sammlung der schönsten Operetten-Liebesarien präsentierte Tenor Piotr Beczala. Das Publikum war von der ersten Note an sichtlich hingerissen von dem charismatischen Sänger. Als Beczala das Lied "Gern hab ich die Frauen geküsst" aus Franz Lehàrs Operette "Paganini" ankündigte, ging sogar ein genießerisches Raunen durch die Reihen der überwiegend weiblichen Konzertbesucher. Zwischendrin plauderte Beczala locker und charmant mit NDR Kultur Redakteur Ludwig Hartmann über seine Herkunft, seine musikalische Laufbahn und über die nicht zu unterschätzenden sängerischen Herausforderungen in Operetten.
Der Ansturm der Autogrammjäger nach dem Konzert war groß.
Als Beczala schließlich "Wien, Wien, nur du allein" anstimmte, wiegten sich einige Zuhörer völlig verzaubert sanft im Dreivierteltakt. Piotr Beczala beeindruckte im Foyerkonzert nicht nur als ausgesprochen feinsinniger Sänger, sondern auch als witziger und interessanter Erzähler, vor allem als er sich schließlich den Fragen des Publikums stellte. Das Konzert endete mit einer sehr berührenden persönlichen Note: Beczala sang zum Schluss für seine Frau, die im Publikum saß, ihr Lieblingslied.