Pierre-Laurent Aimard
Pierre-Laurent Aimard im Video-Interview.
Video startenLeidenschaftlicher Fürsprecher und zugleich Kritiker der Musik Franz Liszts - das beschreibt den Pianisten Pierre-Laurent Aimard recht genau. Darum hat er sich im aktuellen Liszt-Jahr ausführlich mit dem Komponisten auseinander gesetzt - und aus seinem "The Liszt Project" etwas besonderes gemacht. Er kombiniert Franz Liszts mit zeitgenössischen Werken. Wie das klingt, davon konnten sich die Gäste des NDR Kultur Foyerkonzerts überzeugen.
Dass es Liszt sein würde, war keine Überraschung, der Rest des Programms allerdings schon. Selbst zwei Stunden vor seinem Auftritt beim NDR Kultur Foyerkonzert hatte sich Pierre-Laurent Aimard noch nicht festgelegt, welche Stücke genau er spielen würde. "Es hängt an dem Instrument. Jedes Instrument ist verschieden. Man entdeckt ein Instrument und denkt: für diese Art von Komponist oder Musik passt es wirklich gut."
Der warme Klang des NDR-Flügels war für Aimard offenbar Inspiration dafür, mit Liszt´ düster-melancholischen Zypressen der "Villa d´Este" zu beginnen. Fast ohne Brechung, wie anverwandt, folgte Bela Bartóks Klagelied. Äußerlich blieb Aimard während seines Vortrags ruhig. Nur die hochgezogenen Augenbrauen beim Blick auf die Noten wirkten so, als erlebe er selbst das Stück erst im Moment des Vortrags - ganz wie die Zuschauer.
Hatte viele Frage: NDR Kultur Moderator Ludwig Hartmann
Auf die Frage von Moderator Ludwig Hartmann nach Komponisten, die Aimard nie auswählen würde, reagierte er ausweichend charmant: "Es sind so viele Werke und Komponisten, die ich bewundere - doch man muss eine Wahl treffen." Aimard wählte Liszt. Seine "Trüben Wolken" fanden ihr Echo in Opus 1 der Sonate von Alban Berg. Und Lizst Vogelpredigt fügte sich zu Marco Stroppas "Tangata manu".
Durch das erst 1995 komponierte Stück vom Mythos des Vogelmenschen schlug Aimard den Bogen vom dunklen Anfang hin zu einem luftigen Ende. Mit diesem "Trick" brachte er den Zuschauern zeitgenössische Musik ein ganzes Stück näher. Auch das ist möglich bei den NDR-Foyerkonzerten.