- Teil 1/4: Sonntag, 9. Oktober 2011, 18.00 bis 19.00 Uhr
- Teil 2/4: Sonntag, 16. Oktober 2011, 18.00 bis 19.00 Uhr
- Teil 3/4: Sonntag, 23. Oktober 2011, 18.00 bis 19.00 Uhr
- Teil 4/4: Sonntag, 30. Oktober 2011, 18.00 bis 19.00 Uhr
Christian Thielemann, Dirigent
Kann man musikalische Ekstase dirigieren? Könnten die Zeichen in der Partitur ein Schlüssel zum Geheimnis des charismatischen Dirigenten sein? "Ich habe nie Einzeichnungen in der Partitur", betont Christian Thielemann. "Im ganzen Ring keine einzige Einzeichnung! Frau ohne Schatten hätten Sie gucken können, ich habe keine einzige Einzeichnung drin."
Der Blick ist klar und direkt, der Dirigent kokettiert nicht. Das sind Fakten. Und die Oper "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss war in diesem Jahr in Salzburg mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung des gefeierten Publikumslieblings ein rauschhaftes Erlebnis.
"Ich war keines von diesen Eislaufeltern-Kindern", lacht Thielemann auf die Frage, wie er das tägliche Pensum an musikalischen Übungen schon als Kind bewältigt habe. Auch wenn seine Eltern selber gern Musiker geworden wären, so hätten Sie doch keinen übertriebenen Ehrgeiz in seine Karriere gesteckt. Das war einfach nicht nötig. Er habe eben viel Zeit gehabt, erklärt er, weil die Schule ihm keine weitere Mühe gemacht habe.
In Berlin, wo er am 1. April 1959 geboren ist, hat er ein humanistisches Gymnasium besucht. Vokabeln zum Beispiel habe er in der U-Bahn gelernt und für ein gutes Abitur haben seine schnelle Auffassungsgabe und sein exzellentes Speichergedächtnis allemal gereicht. Mit fünf Jahren spielte er Klavier, mit sieben kam die Geige hinzu, später Bratsche und Orgel, dann Komposition - und das alles bei den Berliner Philharmonikern. Also wahrlich mehr als ein unterhaltsamer Zeitvertreib!
Als er mit 13 Jahren Opern wie Richard Wagners "Tristan und Isolde" und die "Walküre" in der Deutschen Oper Berlin erlebte, da war es um ihn geschehen: "Mich traf der Schlag! Mir war sofort alles klar."
Die Assistenz bei Herbert von Karajan und die Jahre in Nürnberg als jüngster Generalmusikdirektor in Nürnberg haben ihn entscheidend geprägt. Eines seiner großen Vorbilder ist Wilhelm Furtwängler.
Im Interview mit Margarete Zander spricht Christian Thielemann über Musik und Macht, die 68er und über großartige Orchestermusiker. Über Tabus, über Pfitzner, Furtwängler und Karajan.