Am Morgen vorgelesen
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Robert Stadlober liest aus dem Roman von Pyotr Magnus Nedov.
Im Hotel "Dolce della Luna" in den Abruzzen hat sich ein Gast in seinem Zimmer erhängt. Pippo Calabrese aus dem Zuccherificio von Termoli wollte nach seiner Entlassung nicht mehr leben.
Seine beiden jungen Kollegen Cristina und Angelo, die auch sterben wollten, konnte der Moldawier Tolyan Andreewitsch retten. Die drei verbringen die Nacht im Hotel und Tolyan erzählt eine Geschichte, die sich 1991 in Moldawien zugetragen hat: Ein gewisser Pitirim Tutunaru entdeckt, dass der inzwischen verschwundene Direktor der volkseigenen Zuckerfabrik 40 Tonnen Zucker in einem unterirdischen Gang zwischen seiner Datscha und der Fabrik gebunkert hat.
Unterdessen versucht die Besitzerin, Signora di Garozzo, Pippos Leiche loszuwerden. Tolyan beobachtet, wie draußen im Hof die Leiche von Pippo Calabrese verbrannt wird. Die Hotelbesitzerin Monica di Garozzo konnte, nachdem ihr der katholische Padre eine Abfuhr erteilt hat, einen serbisch-orthodoxen Kirchenmann dazu überreden, ihn mit allen Weihen zu kremieren.
Es liest Robert Stadlober.
Pyotr Magnus Nedov will mit seiner slawischen Schelmengeschichte zeigen: Die Krise ist halb so schlimm.
Der junge Autor, der sich diesen Schelmenroman mit verschlagen-optimistischer Weltsicht ausgedacht hat, setzt in seinem Debütroman "Zuckerleben" die Wirren zwischen Planwirtschaft und Wildwestkapitalismus mit Witz, Herz und Poesie in Szene.
Pyotr Magnus Nedov ist 1982 in der Sowjetunion geboren, wuchs in Moldawien, Rumänien und Österreich auf und lebt heute in Köln.