Am Morgen vorgelesen
Die Beiträge vergangener Sendungen in chronologischer Reihenfolge. mehr
"Knapp am Herz vorbei" nach dem Roman von J.R. Moehringer
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit
1934: Nach einer Anhörung wird der verurteilte Bankräuber und geflohene Sträfling Willie Sutton (2. von links) in Begleitung von Polizeibeamten zum Rathaus gebracht.
Sein Debüt als Schriftsteller gelang Moehringer im Jahr 2005 mit "Tender Bar". In diesem autobiographisch geprägten Werk erzählt Moehringer von seiner Jugend in New York, die sich zu großen Teilen in der Bar seines Onkels abspielte, dem "Dickens" - einem Ort, an dem sich Verzweiflung und Lebensweisheit vereinen. "Tender Bar" wurde von zahlreichen amerikanischen Zeitungen zum Buch des Jahres gekürt.
Auch Moehringers neues Buch "Knapp am Herz vorbei" ist eine Biographie - diesmal allerdings nicht seine eigene, sondern die des Bankräubers Willie Sutton, eines der berühmtesten Verbrecher der 50er-Jahre in den USA.
Allerdings erhebt Moehringer nicht den Anspruch, die wahre Lebensgeschichte Suttons zu erzählen. Es sei eine Wunschbiografie, sagt er im Vorwort des Buches. So stimmen zwar die Rahmendaten der Erzählung, die Kindheit und Jugend Suttons sind jedoch frei erfunden.
Der Autor J.R. Moehringer Roman nähert sich Willie Suttons Leben aus der Retrospektive.
Bankräuber Willie Sutton, der in den USA als "Gentleman-Bankräuber" berühmt wurde, ist inzwischen gealtert und blickt gemeinsam mit einem Journalisten auf seine Vergangenheit zurück. Die Reise führt ihn dabei auch nach Coney Island, einen Vergnügungspark in New York, wo Sutton die Person traf, die sein Leben für immer verändern sollte - und für die er seinen ersten Raub beging.
Ob man Willie Sutton dabei in sein Herz schließen möchte oder nicht, überlässt der Autor durch eine geschickte Erzählstrategie seinem Publikum.
Burghart Klaußner liest aus dem neuen Roman von J.R. Moehringer.