Der neue Roman des kanadischen Schriftstellers Michael Ondaatje "Katzentisch" erscheint am 6. Februar 2012 im Hanser Verlag.
Sendedaten: 30. Januar bis 10. Februar 2012, Montag bis Freitag, 8.30 bis 9 Uhr
Johannes Steck liest aus dem neuen Roman des kanadischen Schriftstellers Michael Ondaatje: "Katzentisch".
Der Autor Michael Ondaatje
Michael Ondaatjes Ruhm gründet sich maßgeblich auf den Roman "Der englische Patient“. Für die Geschichte des ungarischen Grafen Laszlo Almasy, der in Nordafrika aus Liebe zur Gattin eines englischen Forschers zwischen die Fronten des Zweiten Weltkriegs gerät, wurde dem Autor im Jahr des Erscheinens 1992 der Booker-Preis verliehen. 1996 verfilmte der britische Regisseur Anthony Minghella den Stoff. Das Ergebnis wurde als der Glücksfall einer Literaturverfilmung gepriesen und mit zahlreichen Oscars ausgezeichnet.
Passagierdampfer wie die "München" waren noch in der Mitte des vorigen Jahrhundert das übliche Verkehrsmittel, um die Ozeane zu überqueren.
Die Weltläufigkeit in Ondaatjes literarischem Werk geht auf die extreme Mobilität zurück, die der Autor in seinem eigenen Leben zu bewältigen hatte. Er wurde am 12. September 1943 in Colombo, der Hauptstadt der damaligen britischen Kronkolonie Ceylon, geboren. 1948 wurde die Insel unabhängig und offiziell in Sri Lanka umbenannt. Im Jahr 1954, als Michael Ondaatje elf Jahre alt war, zog er nach England und 1962 dann nach Kanada.
In "The Cat’s Table", verarbeitet der Schriftsteller seine frühe Entwurzelung. Es ist keine autobiographische Schilderung im strengen Sinn, denn in Wirklichkeit ist dem Autor von der dreiwöchigen Schiffsreise von Colombo nach London, die er ganz allein gemacht hat, nicht mehr viel in Erinnerung. Die Abenteuer in der Geschichte sind weitgehend erfunden.
Auf der Deckpromenade von Kreuzfahrtdampfern promenierten die Passagiere. Für Kinder gab es hier viel zu entdecken.
Die Hauptfigur, der elfjährige Michael, befindet sich auf einer Schiffsreise von Colombo nach London. Während seine Cousine Emily sich mit dem Mädchen Asuntha und dem Gaukler Sunil anfreundet, erkundet er mit zwei Jungen in seinem Alter, Cassius und Ramadhin, die aufregende Welt des Ozeandampfers.
Die Kinder beobachten alles um sich herum sehr genau. Der kleine Michael lernt auf dem Luxusliner "Oronsay" unbekannte und abenteuerliche Welten kennen und ist gezwungen, sich selbst einen Reim darauf zu machen.
Anders als seine Tante Flavia Prins, die in der ersten Klasse reist, muss Michael an dem Tisch sitzen, der sich vom Kapitänstisch aus gesehen in der entferntesten Ecke des Speisesaals befindet, der sogenannte "Katzentisch". Ausgelassene Spiele mit seinen Freunden und die aufregenden Einblicke in Erwachsenenwelten, die die Mitreisenden vom "Katzentisch" den Kindern gewähren, lenken Michael von seiner Einsamkeit ab.
In der ersten Klasse der Luxusliner mussten die Passagiere auch früher schon auf nichts verzichten.
Während der dreiwöchigen Reise auf dem Passagierschiff kommt es zu dramatischen Ereignissen, die alle Kinder in gewisser Hinsicht mit Schuld beladen. Michael hilft einem diebischen Baron, in fremde Zimmer einzudringen, er und seine Freunde Cassius und Ramadhin schmuggeln einen todbringenden Hund an Bord, und Michaels Cousine Emily hilft bei der Flucht des Schwerverbrechers Niemeyer.
Jahre später besucht Michael seine Cousine auf Bowen Island vor der kanadischen Westküste. Es stellt sich heraus, dass die Dinge nicht immer so sein müssen, wie sie einem zunächst erschienen sind.