Am Morgen vorgelesen
Die Beiträge vergangener Sendungen in chronologischer Reihenfolge. mehr
Sendetermin: 19. bis 23. Dezember 2011, 22 bis 22.35 Uhr
Klaus Nägelen liest die Erzählung von Adalbert von Chamisso.
Adelbert von Chamisso, der einer wohlhabenden französischen Adelsfamilie entstammte und durch die Wirren der französischen Revolution nach Deutschland geriet, fand hier Kontakt zum Kreis der Romantiker. Seine Geschichte von Peter Schlemihl, dem Mann, der seinen Schatten verkauft, machte ihn weltberühmt.
Ist eine Million es Wert, seinen Schatten zu verkaufen?
Peter Schlemihl (der Name ist hebräischen Ursprungs und benennt einen ungeschickten oder unglücklichen Menschen), der seine Geschichte dem fiktiven Herausgeber Chamisso in der Form von Briefen erzählt, gerät eingangs auf eine Gesellschaft des unermesslich reichen Herrn Thomas John. Dessen Devise lautet: "Wer nicht Herr ist wenigstens einer Million, der ist ein Schuft!"
Das beeindruckt Schlemihl, der ein armer Schlucker ist und es auch gern zu etwas bringen möchte. Wie er es anzustellen hat, darüber belehrt ihn ein sonderbarer Mann im grauen Rock – "der Graue", wie er fortan genannt wird -, der während dieser Gesellschaft alle Dinge, die von den Gästen gewünscht werden, aus der Tasche seines Rockes zieht, Teppiche und Reitpferde inbegriffen.
Beim Fortgehen wird Schlemihl von dem sonderbaren Menschen angesprochen und zu einem Tauschgeschäft verleitet: Für einen stets mit Dukaten reich gefüllten Geldsack gibt er seinen Schatten dahin.
Weil Schlemihl keinen Schatten hat, wird er von den Menschen gemieden.
Schon bald darauf bereut er den Handel, den er als böses Unheil erkennt. Denn die Schattenlosigkeit schließt ihn aus der menschlichen Gesellschaft aus, verhindert Freundschaft und Liebe. Überall, wo die Schattenlosigkeit Schlemihls bemerkt wird, verfällt er der Ächtung durch die Menschen. Nur sein Diener Bendel hält treu zum "Grafen Peter", als der Schlemihl nun auftritt.
Weil er seine Schattenlosigkeit mit Hilfe des Dieners geschickt verbirgt, gewinnt er die Liebe von Mina, der Tochter von Försterleuten. Bendel kann jedoch nicht verhindern, dass das sorgfältig gehütete Geheimnis der Schattenlosigkeit bekannt und Schlemihl von Minas Vater, dem Förster, zur Rede gestellt wird. Dieser will Mina an Raskal verheiraten, wenn Schlemihl sich nicht binnen drei Tagen im Besitz eines wohlangepassten Schattens befindet.
Da taucht plötzlich der Graue wieder auf, der versprochen hatte, sich über Jahr und Tag aufs Neue einzustellen. Er will ihm den Schatten nur zurückgeben, wenn Schlemihl ihm dafür seine Seele verschreibt. Vor diesem Geschäft schreckt Schlemihl zurück. Er trotzt ihm aber ein Vogelnest ab, das seinen Träger unsichtbar macht, ohne indes seinen Schatten auszulöschen. So ausgerüstet, sucht Schlemihl den Förstergarten auf, um die Verbindung zwischen Mina und Raskal zu verhindern. Aber er hat das Gefühl, dass ein unsichtbarer Begleiter ihm folgt.