Nachtstücke

Wolf Dietrich Sprenger, Gerd Wameling und Hans Paetsch lesen Erzählungen von E.T.A. Hoffmann

Sendetermine: 18. Februar bis 9. März 2010, von 22.00 bis 22.35 Uhr

Rat Krespel

Szene aus "Hoffmanns Erzählungen" © Vincent Leifer Detailansicht des Bildes Für die Gestalt Krespels stand ein Jugendfreund Goethes Modell, der Archivar Krespel. Hier steht er im Mittelpunkt einer Künstlernovelle, in der es - wie so oft bei E.T.A. Hoffmann - um das Glück und die Gefährdung der reinen Kunst geht. Die Erzählung vom "Rat Krespel" ist später auch von Jacques Offenbach für eine Episode seiner Oper "Hoffmanns Erzählungen" verwendet worden.

Der Erzähler lernt in einer kleinen deutschen Stadt den Justizrat Krespel kennen, einen wunderlichen Menschen mit seltsamen Ideen und närrischem Gebaren, der indes bei aller Sonderbarkeit allseits beliebt zu sein scheint. Krespel lässt sich vor den Toren der Stadt nach unsinnigsten Plänen ein in allen Teilen ungleiches Haus bauen. Dort lebt er zurückgezogen mit seinen Liebhabereien, der Musik und dem Geigenbau. Von einer Reise kehrt er mit seiner wunderschönen Tochter Antonie zurück, die eine engelsgleiche Stimme hat. Man hat sie aber nur einziges Mal singen hören. Als der Erzähler, ein Musikenthusiast, Antonie zum Singen zu verleiten sucht, wird er von Krespel aus dem Haus gewiesen. Danach muss er für längere Zeit verreisen. In die kleine Stadt zurückgekehrt, kommt er gerade rechtzeitig, um Zeuge eines Begräbnisses zu werden.

Das Majorat

Schloss Reinbek.  Detailansicht des Bildes Die Erzählung spielt in dem alten düsteren Schloss Rositten, dessen Geschichte durch das finstere, schwer zu deutende Wesen seines Freiherrn belastet ist. Der junge Erzähler unserer Geschichte, der seinem Großonkel, einem Advokaten, bei dessen juristischen Geschäften auf Rositten zur Seite steht, erlebt dort während seines Aufenthaltes seltsame und unheimliche Dinge. In den Mauern des Majorats, das jetzt nur noch wenige Wochen im Jahr bewohnt ist, dann nämlich, wenn der jetzige Baron seinen gutsherrlichen Pflichten nachkommt, spukt es. Ein Geist, den der alte, mit der Geschichte der Familie seit mehreren Generationen vertraute alte Advokat mit dem Namen Daniel anredet, geht nächtlich klagend im Rittersaal des Schlosses um. Dem Alten gelingt es, den Spuk vorläufig zu bannen, da er mit der Vorgeschichte des Spuks bekannt zu sein scheint.

Sein Neffe, der Erzähler, verliebt sich während des Aufenthalts in die junge und schöne Frau des Barons. Wie ihr Mann ist auch sie von unheilvollen Ahnungen beschwert, wenn sie sich auf dem Schloss aufhält. Von nervösem und empfindsamem Wesen, erkrankt sie schwer, wird aber schließlich wieder gesund. Der Alte warnt seinen jungen Begleiter, sich weiter in dieses Liebesverhältnis zu verstricken und reist nach Erledigung seiner Amtsgeschäfte ab. Der junge Mann soll seine Geliebte nie mehr wiedersehen. Im heimatlichen Königsberg wird der Alte von der Ahnung seines bald bevorstehenden Todes erfüllt. Er nimmt dies zum Anlass, dem Großneffen die Geschichte des Majorats zu erzählen.

Der Sandmann

Die Erzählung vom "Sandmann" gehört zu Hoffmanns düstersten und abgründigsten Arbeiten und beginnt sehr unkonventionell mit drei Briefen, bevor später der Erzähler das Wort ergreift. Sie erzählt von den Geschicken des Studenten Nathanael, der befangen ist in einem quälenden, traumatischen Kindheitserlebnis. Wenige Tage zuvor, so teilt er dem Freund Lothar in seinem Brief mit, sei ein Wetterglashändler in seiner Stube erschienen und habe ihm seine Ware feilgeboten. Dieser Mann, mit Namen Giuseppe Coppola, habe in furchtbarer Weise eine Kindheitserinnerung in ihm aufgewühlt.

Laborgefäße gefüllt mit farbigen Flüssigkeiten © picture-alliance / Newscom Detailansicht des Bildes Sein Vater habe an bestimmten Abenden Besuch bekommen und die Kinder seien mit dem Hinweis "Der Sandmann kommt!" zu Bett geschickt worden. Der Sandmann wurde dem Knaben als böser Mann beschrieben, der den Kindern die Augen stiehlt. Eines Abends wollte der zehnjährige Nathanael das Geheimnis lösen. Er versteckte sich im Zimmer des Vaters, um die Entdeckung zu machen, dass der grässliche Besucher kein anderer war als der alte Advokat Coppelius, ein gelegentlicher Hausgast. Das beruhigte den Knaben aber keineswegs, denn der Advokat Coppelius erfüllte ihn stets mit Ekel und Abscheu und weckte in ihm die furchtbarsten Ängste. Am nämlichen Abend wurde er von Coppelius im Zimmer des Vaters entdeckt, und sogleich wollte sich der widerwärtige Mensch in den Besitz seiner Augen bringen. Nur die Fürbitte des Vaters konnte dies verhindern.

Ein Jahr später sei Coppelius wieder einmal im elterlichen Haus erschienen und habe sich mit dem Vater in dessen Zimmer zurückgezogen, um irgendwelchen chemischen Experimenten nachzugehen. Um Mitternacht erdröhnte das Haus von einem entsetzlichen Schlag, erstickender Dampf quoll aus dem Zimmer des Vaters. Erschrocken liefen die Hausbewohner zusammen, aber sie fanden den Vater tot mit schwarz verbranntem Gesicht und den Coppelius verschwunden. Umso größer ist das Entsetzen des Studenten Nathanael, als er nun in dem Wetterglashändler Giuseppe Coppola keinen anderen zu erkennen glaubt als eben den abscheulichen Coppelius.

Die Sendereihe im Überblick
FolgeInhaltSendedatum
1 bis 2Rat Krespel
Wolf-Dietrich Sprenger
18. und 19. Februar 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr
3 bis 7Das Majorat
Hans Paetsch
22. bis 26. Februar 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr
8 bis 10Das Majorat
Hans Paetsch
1. bis 3. März 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr
11 bis 12Der Sandmann
Gerd Wameling
4. bis 5. März 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr
13 bis 14Der Sandmann
Gerd Wameling
8. bis 9. März 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr
Über den Autor
E.T.A. Hoffmann (1776-1822) © picture-alliance / dpa
 

E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmann war ein vielseitiger Mensch: Schriftsteller, Musiker, Komponist, Dirigent, Zeichner und Maler in einer Person, aber auch Theaterleiter, Regisseur und Kritiker, schließlich im Hauptberuf Jurist.mehr

Weitere Informationen

Programm Januar bis März 2010

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Programm April bis Juni 2010

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