Der unbekannte Klassiker
Georg Forster teilt das Schicksal vieler anderer Schriftsteller. Sie führten ein Schattendasein neben Goethe, Schiller und Lessing.mehr
Hugo R. Bartels und Günter König lesen aus den Reisebüchern von Georg Forster.
Sendetermine: 10. bis 17. März 2010, von 22.00 bis 22.35 Uhr
Georg Forster gehört zu den bedeutenden Schriftstellern aus der Zeit der deutschen Klassik, obwohl ihm von den Deutschen niemals klassischer Rang zugebilligt wurde. Ihm widerfuhr das Schicksal, dass er mit einigen anderen Autoren unserer klassischen Periode teilt, mit Carl Philipp Moritz und Ulrich Bräker, Johann Gottfried Seume und Jakob Michael Reinhold Lenz. Er wurde zum "unbekannten Klassiker", im Schatten der berühmten Goethe und Schiller, Lessing und Wieland (wiewohl letzterer auch schon ein halbes Schattendasein führt). Einen begrenzten Ruhm fanden seine Reisebücher: die "Ansichten vom Niederrhein"und die "Reise um die Welt".
Zwischen 1772 und 1775 nahm Georg Forster an der zweiten Reise James Cooks teil. Dieser war mit den Schiffen 'Resolution' und 'Adventure' im Auftrag der britischen Krone in See gestochen und bis in die Meere der bis dahin noch unberührten Antarktis vorgestoßen. Die Expedition befuhr beinahe die gesamte Erdkugel. Dreimal wurde der südliche Polarkreis überschritten, und es fehlte nur wenig am Vorstoß zum Südkontinent. Im Juli 1775 trafen Cook und seine Begleiter wieder in Plymouth ein, darunter der 21-jährige Forster, der zwei Jahre später in englischer Sprache seine "Voyage Round the World" herausbrachte, die bald darauf in deutscher Sprache in Berlin erschien. Für die deutsche Literatur schuf Forster damit ein neues literarisches Genre und in Alexander von Humboldt fand er einen großen Nachfolger. Forsters Buch über diese Reise, das den Autor in ganz Europa bekannt machte und von Wieland, nach Erscheinen der deutschen Ausgabe, als "eines der merkwürdigsten Bücher" seiner Zeit bezeichnet wurde, ist von einem beinahe unerschöpflichen Reichtum an naturwissenschaftlichen, geographischen, klimatischen und ethnologischen Einzelbeobachtungen.
Zwischen April und Juni 1790, ein Jahr nach Beginn der Französischen Revolution, unternahm Forster, zusammen mit dem jungen Alexander von Humboldt, seine Reise durch Brabant, Flandern, Holland, England und Frankreich. Das Besondere des Buches, das unvollendet blieb und dessen erste Teile 1791 erschienen, liegt darin, dass Forster hier seine naturgeschichtliche Methode auf alle Gegenstände seiner Beobachtung anwendete, vor allem auch auf Gesellschaft, Politik und Kunst. Forster war, wie viele deutsche Intellektuelle seiner Zeit, von den Ereignissen der Französischen Revolution berührt worden. Das bestimmte auch den Reiseweg. Die Reise diente dem Gewinn neuer Einsichten, der Klärung eigener Positionen. Forster schreibt in diesem Buch eine präzise und klare Prosa, brillant in der gegenständlichen Schilderung, hart und scharf in der Beurteilung der politischen Lage.
| Folge | Inhalt | Sendedatum |
|---|---|---|
| 1 bis 3 | Reise um die Welt Hugo R. Bartels | 10. bis 12. März 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr |
| 4 bis 6 | Ansichten vom Niederrhein Günter König | 15. bis 17. März 2010, 22.00 bis 22.35 Uhr |