Am Morgen vorgelesen
Die Beiträge vergangener Sendungen in chronologischer Reihenfolge. mehr
Sendetermin: 12. bis 14. Dezember 2011, 22 bis 22.35 Uhr
Hugo R. Bartels liest die Erzählung von Adalbert Stifter.
Der österreichischer Schriftsteller, Maler und Pädagoge Adalbert Stifter (1805 - 1868) zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des Biedermeier.
"Bergkristall" ist die wahrscheinlich bekannteste Erzählung aus Stifters Sammlung "Bunte Steine", die 1853 erschien: die Geschichte zweier Kinder, die sich am Weihnachtsabend im verschneiten Gebirge verirren.
Die Erzählung beginnt mit einer breit angelegten Schilderung der Gebirgslandschaft, die zu Stifters Meisterleistungen gehört. Jedes Element der hier geschilderten Landschaft gewinnt im späteren Verlauf der Erzählung noch Bedeutung.
Der Schuster aus dem kleinen Gebirgsdorf Gschaid hat die Färberstochter aus dem größeren Gebirgsort Millsdorf, ein sehr schönes Mädchen, geheiratet.
Die Beschreibung der Gebirgslandschaft gehört zu Stifters Meisterleistungen.
Die Gschaider wissen aber mit der Färberstochter nichts Rechtes anzufangen, sie bleibt ihnen ebenso fremd wie die beiden Kinder des Ehepaares, Konrad und Sanna. Die Kinder besuchen oft die Großeltern in Millsdorf, anfangs in Begleitung einer Magd; später, nachdem der Knabe kräftig herangewachsen ist, dürfen sie den Weg über das Gebirge, über den sogenannten "Hals", auch allein machen. Der Weg ist nicht ungefährlich, aber die Kinder haben ihn schon häufiger zurückgelegt.
Es ist ein ungewöhnlich schöner, klarer und windstiller Weihnachtstag. Die Kinder haben versprechen müssen, nirgends zu verweilen, bei der Großmutter nur zu essen und sich gleich anschließend wieder auf den Rückweg zu machen. Sanna und Konrad haben sich auch an diese Weisung gehalten, sind kräftig ausgeschritten, nichts Besonderes ist ihnen begegnet, nur die sogenannte Unglückssäule, die jene Stelle bezeichnet, an der einmal ein Bäcker zu Tode kam, steht nicht mehr aufrecht, sondern ist umgestürzt. Aber auch das hat die Kinder nicht erschrecken können.
Der Schnee erschwert den Kindern zunehmend die Orientierung auf dem Rückweg nach Hause.
Die Großeltern in Millsdorf nehmen sie freundlich auf, sie essen zu Mittag, die Großmutter versieht sie mit allerlei Leckereien und verschnürten Paketen sowie mit einem Kaffeeaufguss für die Mutter. Dann treten sie den Rückweg an. Doch hat es inzwischen zu schneien begonnen und die Kinder können sich immer schwerer orientieren.
An der Unglückssäule hätten sie den Weg ins Tal nehmen sollen, aber sie haben sie verfehlt, da sie zugeschneit war. Und bei ihrer weiteren Wanderung geraten sie allmählich ins Eis. Sie wollen, wie Konrad gesagt hat, nun "jenseits hinabklettern", aber sie müssen feststellen, dass es dies "Jenseits" gar nicht gibt...