Mit dem "Lohengrin" starteten am 25. Juli die Bayreuther Festspiele 2010. Regie führte Hans Neuenfels. Der Altmeister ist der Auffassung, Theater müsse "immer anecken und auch viel riskieren". Das Publikum ist da geteilter Meinung: Nach dem Auftakt gab es viel Applaus - aber auch Buhrufe.
Auf ihn allerdings konnten sich fast alle einigen: Der Münchner Tenor Jonas Kaufmann gab als Titelheld in einer ironischen, provokanten Version des "Lohengrin" ein märchenhaftes Bayreuth-Debüt. An seiner Seite: Annette Dasch als Elsa von Brabant.
Das Leben als Laborversuch: Kaufmann ist zwar "Lohengrin"-erfahren - doch in der Neuenfels-Inszenierung der romantischen Oper muss der Star-Tenor einiges durchmachen.
Stolz sitzen sie auf dem Grund des Flusses und bewachen das auf einem Felsenriff ruhende "Rheingold": die Rheintöchter Wellgunde, Woglinde und Floßhilde (v.l.n.r.: Ulrike Helzel, Christiane Kohl und Simone Schröder). "Der Ring des Nibelungen" nimmt seinen Lauf.
Es sieht schon nach Götterdämmerung aus, ist aber erst "Walküre": Albert Dohmen (als Wotan) vor dramatischer Kulisse.
Er war der umjubelte neue Siegmund: der schwergewichtige südafrikanische Tenor Johan Botha, hier mit Edith Haller als Sieglinde.
Am Ende eines langen Abends nimmt Dirigent Christian Thielemann Glückwünsche von Festspielleiterin Katharina Wagner entgegen. Die "Walküre" am 28. Juli war Thielemanns 100. Aufführung im Orchestergraben des Festspielhauses. Seit dem Millenniumsjahr 2000 hat der gebürtige Berliner allein knapp 50 "Ring"-Abende dirigiert.
Zuvor waren Thielemann (5.v.l.) und die "Walküre"-Sänger bereits vom Publikum gefeiert worden.
Als "Bühnenweihfestspiel" bezeichnete Wagner seine letzte Oper "Parsifal". Für den Dramaturgen Alexander Meier-Dörzenbach bewegt sich das Stück "irgendwo zwischen phantastischem Theater, religiösem Kult, mythischer Feier und lehrreicher Unterhaltung" - wie man sieht. Im Bild: Detlef Roth (l., als Thomas Jesatko) und Susan Maclean (erstmals als Kundry).
Von der Drachenhöhle durch das Flammenmeer auf den höchsten Gipfel: "Siegfried" kennt keine Angst. In der Inszenierung von Tankred Dorst gibt der Tenor Lance Ryan den Helden. Der Kanadier setzt seine stimmliche Strahlkraft auch in der "Götterdämmerung" ein.
Am Ende bricht Siegfried Wotans Macht und weckt die Walküre Brünnhilde (Linda Watson) mit einem Kuss. Sie bittet ihn vergebens, von ihr zu lassen.
"Götterdämmerung" am Walkürenfelsen. Die Nornen spinnen am Schicksalsseil - bis es reißt. Von links: Edith Haller (3. Norn), Simone Schröder (1. Norn) und Martina Dike (2. Norn).
An seinem "dritten Tag" kommt der Ring vollends in der Menschenwelt an: Ralf Lukas (Gunther, vorne links), Lance Ryan (Siegfried) und Edith Haller (Gutrune).
In "Die Meistersinger von Nürnberg" wird dagegen über drei Akte und rund viereinhalb Stunden über das Singen gesungen und die Funktion der Kunst in der Gesellschaft gestritten. Im Bild: Klaus Florian Vogt (l.) als Walther von Stolzing und Norbert Ernst als David.
Die Meistersinger fragen: Woran soll sich die Kunst orientieren? An poetischen Regeln? An der Kunstkritik? Oder doch am Interesse des Publikums? Ob Eva (Michaela Kaune) - eingerahmt von Walther von Stolzing (Klaus Florian Vogt, l.) und Hans Sachs (James Rutherford) - die Antwort findet?
Im Vordergrund James Rutherford als Hans Sachs: Hin- und hergerissen zwischen Modernismus und Konservativismus.