NDR Kultur Neo

Exklusiv: Nauras "Der Turmbau zu Jatzikistan"

Mittwoch, 15. Februar 2017, 22:35 bis 00:00 Uhr

2002 schrieb Michael Naura mit seinem "Turmbau zu Jatzikistan" eine Pararabel im Andenken an die Ereignisse am 11.September 2001 in New York. Das knapp einstündige Opus war ein Auftragswerk für das Festival "Strings of Fire" im Gewandhaus zu Leipzig. Naura hatte es für Sprecher, Klavier, Violoncello und Vibraphon gesetzt.

Uraufführung beim Festival "Strings of Fire"

Darin erzählt der Literat und Musiker in typisch nauraesker, kräftiger und bildhafter Sprache über die Hybris und Unbelehrbarkeit des Menschen, die unweigerlich zum Kampf der Kulturen führt. Ein biblischer Jazz-Subtext mit Visionen aus der Feder eines künstlerischen Kraftpaketes.

Moderation: Hendrik Haubold.

Nauranarrow - Naura über Naura

"Michael wie Monster. Naura wie Narr.
Der Pianist und Komponist Michael Naura, Jahrgang 1934, hält sich für einen monströsen Narren. He’s a fool on the hill. Schon deshalb, weil er sich nach 1945 dem Jazz verschrieben hat. Mit Haut, Hirn, Haar und Hoden. Er gehört, mit Albert Mangelsdorff, zur Gründer-Generation des modernen Jazz in Germany. Vorher hatte er noch einige Semester Philosophie und Soziologie abgerissen. Hat nicht geschadet. Sein Quintett im Geist des Hard Bop war ein "Hardcore des Klangs"! Die Spießer ächzten. Sie froren. Naura hat nichts anbrennen lassen.
Als Komponist hat er über 400 Werke verfaßt. Vom Werbeclip für Gardinen bis hin zu den 18 Sätzen seiner Suite "Zarte Protuberanzen" mit Texten des Schriftstellers Wolf Wondratschek. Apropos Dicher. Seit den 60ern verband Naura eine innige Zusammenarbeit mit dem Lyriker Peter Rühmkorf. Beide sind die Erfinder einer besonderen Spielart von "Jazz+Lyrik". Bis 1999 hat Naura 4 Jahrzehnte lang die Jazz-Redaktion des NDR geleitet. Nauras Spitzname: Leo Doletzki. Nach einem Gedicht von Rühmkorf, in dem "ein älterer Herr in einem cognacfarbenen Mantel orientierungslos umherirrt."
Nauras Vorlieben: Christina, Landleben, Pferdescheiße, säuerliche Äpfel und das Zeichnen von schrillen Cartoons.
Naura schrieb für: "Die Zeit", "Du", "Spiegel Spezial", "Der Tagesspiegel", "Feinschmecker Wein". Sein Buch "Jazz Toccata" (Rowohlt) ist vergriffen. Nauras Hörspiel "Der lange Sturz" für den NDR über Chet Baker wurde auf der Leipziger Buchmesse uraufgeführt.
Zahlreiche Einspielungen. Darunter: "Call" mit Eberhard Weber und Wolfgang Schlüter.
Das riesige Naura-Oevre findet man, fein sortiert und ausgewählt, in der Naura-Box.
Nauras Jazzologie stammt von Truman Capote, dem schwulen und süchtigen Genie: Ein Häufchen Töne nehmen und in die Luft werfen. Dann warten, bis sie richtig herabfallen. Fertig!"

Michael Naura, 2009

Übersicht

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