Stand: 12.09.2017 15:15 Uhr

Bracenets - Armbänder aus dem Meer

von Juliane Bergmann

Aus Altem Neues machen - eine schöne Idee für Dinge, die ausgedient haben. Seit Jahren ist das sogenannte Upcycling in der Mode- und Designwelt ein Thema. Wir haben ein Hamburger Paar getroffen, das aus alten Fischernetzen Schmuck macht - und keine Sorge: Der riecht nicht nach altem Fisch.

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Ein fertiges, aus Fischernetzen produziertes Bracenet.

Die beiden Mittzwanziger Madeleine von Hohenthal und Benjamin Wenke haben vor zwei Jahren Urlaub an der afrikanischen Ostküste gemacht. Beim Tauchen waren sie überrascht über die vielen Geisternetze - also Fischernetze, die verloren gegangen sind oder absichtlich im Meer entsorgt wurden.

Schmuck und Problem in Einem

Mit Basteln hatten die zwei eigentlich nichts am Hut. Und trotzdem fingen sie zu Hause an zu kleben und zu schneiden und machten ihre ersten Prototypen für ihr späteres "Bracenet". Es gibt bereits Firmen, die aus Geisternetzen Teppiche, Skateboards oder Sonnenbrillen machen.

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Benjamin Wenke und Madeleine von Hohenthal kamen beim Tauchen auf den Trichter.

Die beiden wollten aber, dass bei ihrem Upcycling-Produkt das Ursprungsmaterial noch deutlich zu erkennen ist: "Und da lag auf der Hand, dass es ein Armband wird, das man auch am Handgelenk trägt. So dass man täglich selbst daran erinnert wird, was es eigentlich für ein Problem ist, dieses Geisternetz", erzählt Benjamin.

Farben nach Zufallsprinzip

Madeleine von Hohenthal und Benjamin Wenke arbeiten seit vielen Jahren im Bereich Werbung. Sie setzten auf Kooperationen. Für ihr Upcycling-Projekt haben sie sich verschiedene Meeresschutzorganisationen als Partner gesucht: Healthy Seas, Ghostfisher und Nofir. Deren Mitstreiter tauchen weltweit nach den Netzen, bergen sie und reinigen sie, bis in Deutschland schließlich die Armbänder entstehen.

Geborgene Netze, aus denen Bracenets gemacht werden. © NDR Fotograf: Juliane Bergmann

Upcycling: Schmuck aus Geisternetzen

NDR Kultur -

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Zwei Behindertenwerkstätten in Duisburg und Neumünster machen ebenfalls mit. Vom Verkauf gehen zehn Prozent zurück an die Meeresschutzorganisationen, die wieder neue Netzen bergen. Die Bracenets sind leuchtend grün, gelb mit schwarzen Streifen, grau-blau - je nachdem, was angeliefert wurde. Jedes Paket ist eine logistische Herausforderung für das junge Paar.

" ... und dann ist alles voll mit Netz"

Madeleine: "Die Netze sind ganz unterschiedlich groß. Die meisten, die wir bekommen, haben 150 Quadratmeter pro Netz, wenn man es ausbreitet. Heute kam eine Lieferung mit anderthalb Tonnen. Die werden dann in so ganz großen Säcken geliefert. Und wenn man die dann aufmacht, macht's einmal 'ping' (lacht) und dann ist der ganze Raum voll mit Netz."

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So sehen die angelieferten Netze ursprünglich aus.

Zweieinhalb Tonnen Netz haben die zwei seit dem Projektbeginn bereits bekommen, davon etwa die Hälfte verarbeitet. Inwischen investieren sie so viel Zeit wie für einen Vollzeitjob, oft bis in die Nacht. Von ihrer Motivation scheinen sie dennoch nichts verloren zu haben: "Gerade dann möchte man noch mehr dagegen tun und das Projekt weiter vorantreiben, weil man jetzt auch sieht: Man bewegt etwas damit. Dass Leute zum Beispiel aktiv Plastik einsammeln, Ocean-Cleanups machen, Netze einschicken wollen und auch selbst sich Projekte überlegen im Meeresschutz oder fragen: Können wir mittauchen? Oder: Wo können wir unsere Netze hinschicken, die wir im Griechenland-Urlaub gefunden haben? Und das ist total toll zu sehen", resümiert Madeleine.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 12.09.2017 | 06:40 Uhr

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